BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Pressemitteilung

Hannover, 08.08.2012

BGR-Forscher testen international einmaliges Messsystem:
Mit 3D-Technik in den Untergrund der Nordsee

Mehrere hundert Meter unter den Meeresboden der Nordsee wollen Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit ihrer neuen Messtechnik vordringen. Sie erwarten detailliertere Informationen über den Untergrund des Gewässers, die für den Bau von Offshore-Windparks oder die Verlegung von marinen Kabel- und Pipelinetrassen notwendig sind.

Um die dafür konzipierte mobile 3D-Mehrkanalseismik erstmals zu testen, brechen die BGR-Experten am 10. August 2012 zu einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR in die Nordsee auf. Das Schiff wird in einem circa 80 Quadratkilometer großen Gebiet der britischen Nordsee zwei 900 Meter lange, parallel verlaufende Kabel hinter sich herziehen. Über Komponenten in diesen Unterwasserkabeln, sogenannte „Hydrophone“, werden Echos von Schallwellen aufgezeichnet, die zuvor in den Untergund ausgesendet wurden. Mit dieser Technik ist es möglich, auch kleinere nur wenige Zehnermeter große geologische Strukturen unter dem Meeresboden zu erkunden und detailgetreu darzustellen.

Seit 2009 erweitert die BGR mit erheblichem Aufwand ihre seismische Ausrüstung von der zweidimensionalen auf die dreidimensionale Messtechnik. Zwar arbeitet insbesondere die Erdölindustrie schon seit längerem mit der dreidimensionalen Mehrkanalseismik, jedoch werden dafür Spezialschiffe benötigt. Die Kosten für deren Einsatz sind verhältnismäßig hoch. Die BGR-Messtechnik hingegen ist mobil und flexibel einsetzbar. „Mit dieser Technik sind wir in der Lage, unter Nutzung deutscher Forschungsschiffe kleinräumige Untergrunderkundungen kostengünstig durchzuführen. Unser mobiles 3D-System ist in der internationalen Forschungslandschaft einmalig“, so Expeditionsleiter Dr. Volkmar Damm.

Die Forschungsreise umfasst zwei Fahrtabschnitte mit insgesamt 45 Seetagen. Während des ersten Fahrtabschnitts vom 10. August bis 06. September wird das mehrkanalige 3D-seismische Messsystem im britischen Teil der westlichen Nordsee getestet. Der zweite Fahrtabschnitt unter Leitung von Dr. Katrin Schwalenberg findet vom 08. bis 22. September im Rahmen des von der BGR koordinierten Verbundprojekts „Geopotenzial Deutsche Nordsee“ (GPDN) statt und führt nördlich von Bremerhaven in die deutsche Nordsee. Dort werden die Geophysiker in ausgewählten Gebieten die elektromagnetischen Eigenschaften des Untergrundes bestimmen, um so unter anderem Hinweise auf bislang unbekannte Erdgaspotenziale zu erhalten.

Mit dem GPDN richten die BGR, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (MW) ein neues Geoinformationssystem für die Deutsche Nordsee ein. Die Daten sollen helfen, die Nordsee als Wirtschaftsraum noch besser zu erschließen und die Natur zu schützen.

Hintergrund Seeseismik:
Für Baugrunduntersuchungen im maritimen Bereich sind präzise geologische Vorerkundungen zwingend erforderlich. Es müssen Methoden angewandt werden, die den Untergrund detailgetreu erfassen und auch kleine geologische Strukturen aufzeichnen. In der Geophysik erfolgt dies mit der sogenannten Seismik. Die Seismik ist eine „Durchschallungsmethode“, die in etwa wie eine Ultraschalluntersuchung in der Medizin funktioniert, bei der innere Organe und Gefäße betrachtet werden können. Mit künstlich erzeugten Schallwellen kann der Untergrund bis in mehrere Kilometer Tiefe abgetastet und geologische Strukturen wie Rinnen, Gräben oder Salzstöcke dargestellt werden.

Um möglichst präzise Abbildungen zu erhalten und auch kleinräumige Strukturen darzustellen, hat die BGR ihre bisherige 2D-Messtechnik auf eine 3D-Messtechnik erweitert. Die BGR-Experten nutzen jetzt erstmals zwei parallele Messkabel mit sogenannten „Hydrophonen“, um die vom Untergrund reflektierten Schallwellen aufzuzeichnen. Ähnlich, wie mit zwei Augen räumliche Strukturen erkannt werden können, können mit mehreren Messkabeln die reflektierten Schallwellen räumlich zugeordnet werden, so dass die Wissenschaftler dreidimensionale Abbildungen erhalten. Dies ist notwendig, da sich mit zweidimensionalen Messverfahren dreidimensionale Untergrundstrukturen nicht exakt abbilden lassen. So kann sich eine ebene kreisförmige Struktur in der dreidimensionalen Wirklichkeit (also 3D) als Kugel oder sogar Röhre herausstellen.

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/MarineRohstoffforschung/marinerohstoffforschung_node.html
http://www.geopotenzial-nordsee.de/Nordsee/DE/Home/nordsee_node.html
http://www.ifm.zmaw.de/de/ldf/reisen-des-fs-meteor/
http://www.ifm.zmaw.de/fileadmin/files/leitstelle/meteor/M88/Expeditionsheft_M88_M89.pdf

Ansprechpartner:
Dr. Volkmar Damm, Tel.: 0511 643 3226, E-Mail: Volkmar.Damm@bgr.de


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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0511 643 3086
E-Mail: info@bgr.de Internet: http://www.geozentrum-hannover.de

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