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Pressemitteilung

Hannover, 10.12.2014

Neue BGR-Energiestudie:
Erdöl bleibt weltweit der wichtigste Energielieferant

Deutschland wird auch im Zeichen der Energiewende noch für viele Jahre auf fossile Energierohstoffe angewiesen sein. Mit einem Anteil von rund 80 Prozent leisten Erdöl, Erdgas, Steinkohle und Braunkohle weiterhin den mit Abstand größten Beitrag zur Deckung des deutschen Primärenergieverbrauchs. Aus geologischer Sicht gibt es für alle Energierohstoffe mit Ausnahme des konventionellen Erdöls weltweit noch große Vorräte. Die Reserven (wirtschaftlich gewinnbare Vorkommen) von Erdöl und Erdgas sind trotz gestiegener Produktion leicht gewachsen. Gemessen am gewinnbaren Energieinhalt ist die Kohle mit ihren großen globalen Vorräten der beherrschende Energierohstoff. Das ist das Ergebnis der jetzt vorgelegten „Energiestudie 2014 – Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Die Ergebnisse im Einzelnen:
Erdöl ist der einzige nicht erneuerbare Energierohstoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage wahrscheinlich nicht mehr gedeckt werden kann. Dabei liegt heute der Anteil an Erdöl am Primärenergieverbrauch (PEV) in Deutschland und weltweit noch etwa bei einem Drittel. Insgesamt wurde bislang weltweit mehr Erdöl verbraucht (rd. 175 Milliarden Tonnen) als derzeit an konventionellen Reserven (rd. 170 Milliarden Tonnen) ausgewiesen werden. Angesichts der langen Zeiträume, die für eine Umstellung auf dem Energiesektor erforderlich sind, ist deshalb die rechtzeitige Entwicklung alternativer Energiesysteme notwendig.

Die Förderung von Erdöl aus nicht-konventionellen Vorkommen, darunter insbesondere aus Ölsanden und dichten Gesteinen (Schieferöl/Tight Oil) in Nordamerika, hat mittlerweile globale Auswirkungen. Die Entwicklung in den USA und Kanada hat gezeigt, dass durch technologische Fortentwicklungen bei beständig hohen Ölpreisen in nur wenigen Jahren neue Potenziale erschlossen werden konnten. Die zunehmende Nutzung nicht-konventioneller Erdölvorkommen (die Reserven liegen derzeit bei rd. 48 Milliarden Tonnen) führt jedoch langfristig nicht zu einem Paradigmenwechsel.

Erdgas ist aus geologischer Sicht noch in sehr großen Mengen vorhanden. Derzeit weist die BGR rd. 198 Billionen Kubikmeter Erdgasreserven weltweit aus. Auch bei einem absehbar steigenden Bedarf kann die Versorgung der Welt aufgrund des hohen verbleibenden Erdgaspotenzials noch über viele Jahrzehnte gewährleistet werden. In Europa hat die Erdgasförderung ihr Maximum bereits seit dem Jahr 2004 überschritten. Damit wächst die Abhängigkeit von Gasimporten aus der GUS, Afrika und dem Mittleren Osten. Etwa 80 Prozent der globalen Erdgasreserven befinden sich in den Ländern der OPEC und der GUS.

Nicht-konventionelle Erdgasvorkommen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Ressourcen (augenblicklich noch nicht wirtschaftlich gewinnbare Vorkommen) liegen derzeit bei rd. 528 Billionen Kubikmetern. Deutschlands Erdgasimporte sind leitungsgebunden und stammen fast gänzlich aus russischen, norwegischen und niederländischen Quellen. Eine stärkere Diversifizierung der Erdgasbezugsquellen ist möglich, aber aufwändig und erst mittel- bis langfristig umsetzbar.

Die Reserven und Ressourcen an Hartkohle und Weichbraunkohle können aus geologischer Sicht den erkennbaren Bedarf für viele Jahrzehnte decken. Mit einem Anteil von rund 54 Prozent an den Reserven und rund 89 Prozent an den Ressourcen verfügt Kohle über das größte Potenzial von allen nicht-erneuerbaren Energierohstoffen. Deutschland erhöhte auch 2013 seine Importe an Hartkohle (Steinkohle) auf nunmehr rund 50 Millionen Tonnen. Zusammen mit Koks- und Briketteinfuhren muss Deutschland derzeit bereits 87 Prozent seines Bedarfs an Steinkohle und -produkten importieren.

Der Anteil der Kernenergie an der Bruttostromerzeugung in Deutschlang sank um 2,2 auf 15,4 Prozent. Weltweit hingegen besteht weiterhin ein wachsendes Interesse an der energetischen Nutzung von Kernbrennstoffen. Eine Mehrheit der Staaten verfolgt die zivile Nutzung der Kernenergie. Ende 2013 befanden sich 70 Kernkraftanlagen in 15 Ländern im Bau. Darunter allein 29 in China. Weitere 125 Kernkraftwerke befinden sich in der Planungs- oder Genehmigungsphase.

Erstmals seit 2009 wird in der BGR-Studie die Tiefe Geothermie als einziger erneuerbarer Energieträger im geologischen Bereich wieder mit betrachtet. Ein weltweit zunehmendes Interesse an Geothermieprojekten ist nicht zuletzt der Suche nach sicheren Alternativen zu fossilen Energiequellen geschuldet. Das globale geothermische Potenzial ist sehr groß, wird jedoch bislang nur wenig genutzt. In Deutschland nimmt die Nutzung der Tiefen Geothermie seit Jahren zu, hatte im Jahr 2013 aber nur einen Anteil von 0,24 Prozent am Primärenergieverbrauch Deutschlands. Geothermie wird hierzulande durch das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) gefördert.

Als diesjährige Sonderthemen greift die BGR-Studie das Abfackeln von Erdgas und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen auf. Weltweit wurden 2011 rund 140 Milliarden m3 Erdölbegleitgas als Beiprodukt der Erdölförderung insbesondere in Entwicklungsländern ungenutzt abgefackelt. Zudem wird in einem kurzen Statusbericht das Thema Gashydrat als Energierohstoff dargestellt. Bisherige Abschätzungen zum Gesamtinventar von Erdgas in Gashydrat zeigen ein riesiges, das konventionelle Erdgas weit übersteigendes Potenzial. Die technisch-wirtschaftliche Nutzung steckt aber noch in der Anfangsphase.

Zur Studie:
http://www.bgr.bund.de/energiestudie2014

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Harald Andruleit, Tel.: 0511 643 2513 , E-Mail: Harald.Andruleit@bgr.de


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Pressesprecher: Andreas Beuge, Tel.: 0511 643 2679, Mobil: 0170 8569662
E-Mail: Andreas.Beuge@bgr.de, Internet: http://www.bgr.bund.de

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