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Endlagerstandorte

Welche Regionen in Deutschland sind für die Endlagerung radioaktiver Abfälle geeignet? Geowissenschaftler untersuchen Salz und Ton.

Karte der untersuchungswürdigen Steinsalz- und Tonsteinformationen in Deutschland.Karte der untersuchungswürdigen Steinsalz- und Tonsteinformationen in Deutschland. Quelle: BGR

In Deutschland ist geplant, radioaktive Abfälle mehrere hundert Meter tief in geologischen Formationen in einem Bergwerk zu entsorgen. Auf diese Weise isoliert man die radioaktiven Abfälle für sehr lange Zeiträume sicher von der Biosphäre und schützt somit Mensch und Umwelt bestmöglich vor der schädigenden Strahlung.

Bevor feststeht, ob sich ein potenzieller Standort tatsächlich als Endlager eignet, müssen Experten und besonders Geowissenschaftler jedoch alle Aspekte des „Gesamtsystems Endlager“ untersuchen. Dabei beurteilen sie insbesondere die Wirksamkeit der geologischen und geotechnischen Barrieren.


Salz

Die Art und Zusammensetzung der Gesteine an den Endlagerstandorten bestimmt vornehmlich, wie gut diese natürliche Barriere die Umwelt vor Strahlung schützt. Steinsalz besitzt insbesondere für hochradioaktive wärmeentwickelnde Abfälle gute Isolationseigenschaften. Die Untersuchungen von Endlagerstandorten für diese Abfallkategorie konzentrierten sich daher in Deutschland vorrangig auf Steinsalzformationen als Wirtsgestein.


Bei der Erforschung von Salzstöcken als potentielle Endlagerformationen für radioaktive Abfälle ist die BGR international führend. Die BGR hat 2008 eine geologische Karte über die Salzstrukturen in Norddeutschland herausgegeben. Die Übersichtskarte „Salzstrukturen Norddeutschlands“ im Maßstab 1:500.000 ist die erste Gesamtdarstellung aller rund 450 Salzstöcke, Salzkissen und Salzintrusionen in Norddeutschland inklusive der deutschen Nordsee. 1994 wurde von der BGR ein Katalog zusammengestellt, in dem die Salzstrukturen in Deutschland beschrieben und im Hinblick auf ihre Nutzung als Endlagerstandorte bewertet werden, die sogenannte Salzstudie (Download PDF, 6,3 MB). Auch die geowissenschaftlichen Arbeiten zur Erkundung des Salzstocks Gorleben wurden überwiegend von der BGR durchgeführt. Die bisher ermittelten Befunde zu Gorleben geben keinen Anlass zum Abbruch der Erkundungsarbeiten am Standort. Die Endlagerung in Salzgesteinen ist daher weiterhin fester Bestandteil des deutschen Entsorgungskonzepts.


Ton

Neben Salzgesteinen werden auch andere potentielle Wirtsgesteine, zum Beispiel Tonformationen, auf ihre Eignung zur Endlagerung untersucht. Die BGR führt dies in internationaler Zusammenarbeit in Untertagelabors vor allem in der Schweiz und in Frankreich durch. Dabei werden Methoden und Geräte für die geowissenschaftliche Erkundung von potenziellen Endlagerstandorten entwickelt und getestet. Ein weiteres Ziel der Arbeiten ist es, die Erkenntnisse aus den gemeinsamen internationalen Projekten auf gleichartige geologische Formationen auf Standorte in Deutschland zu übertragen.

Die BGR erhielt im Jahre 2003 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Auftrag, eine Studie über die Verbreitung von Tongesteinen als potenzielle Wirtsgesteine für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland zu erstellen. Die sogenannte Tonstudie (Download PDF, 21 MB) mit dem Titel "Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen Deutschlands. Untersuchung und Bewertung von Tongesteinsformationen." wurde am 18.04.2007 veröffentlicht. Bei den für Tongesteine durchgeführten Untersuchungen dienten international anerkannte von der BGR für die Wirtsgesteine Salz und Kristallin formulierte Ausschluss- und Abwägungskriterien als Grundlage. Sie wurden ergänzt durch die im Jahr 2002 vom Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) aufgestellten wirtsgesteinsunabhängigen Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen. Zusätzlich wurden von der BGR weitere aus geowissenschaftlicher Sicht als maßgeblich erachtete Abwägungskriterien bei der Auswahl der Regionen herangezogen. Als Grundlage der Bearbeitung dienten alle verfügbaren Daten aus Karten, Archivmaterial und Bohrungen. Felduntersuchungen wurden nicht durchgeführt.


Gibt es in Deutschland noch alternative Wirtsgesteine zu Salz oder Ton?

Als Ergänzung zu den Untersuchungen in den Wirtsgesteinen Salz und Ton wird in einigen Ländern die Möglichkeit der Endlagerung in kristallinen Gesteinen - zum Beispiel Granit – betrachtet. Die BGR hatte 1995 hierzu für Deutschland einen Katalog von untersuchungswürdigen Kristallinformationen für die Endlagerung hochaktiver wärmeentwickelnder Abfälle veröffentlicht, die sogenannte Kristallinstudie (Download PDF, 2 MB). Kristalline Gesteine werden jedoch aufgrund der ungünstigeren geologischen Verhältnisse im Vergleich zu den Salzstöcken und den Tonformationen in Deutschland als Wirstgesteine für die Endlagerung radioaktiver Abfälle nicht favorisiert.


Der Kurzbericht „Untersuchung und Bewertung von Regionen mit potenziell geeigneten Wirtsgesteinsformationen“ fasst die Forschungsergebnisse über die Wirtsgesteine Steinsalz, Kristallin und Tongesteine in Deutschland zusammen.

Download Kurzbericht (PDF, 1,2 MB)

Kontakt

    
Dr. Volkmar Bräuer
Tel.: +49-(0)511-643-2436
Fax: +49-(0)511-643-3694

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