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Endlagerstandorte

Welche Endlagerstandorte kommen in Frage?


Die Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle regelt seit Juli 2013 das "Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle" (Standortauswahlgesetz - StandAG).

In einem neuen mehrphasigen vergleichenden Verfahren soll der Standort mit „bestmöglicher Sicherheit“ ermittelt und durch einen Beschluss des Bundestages festgelegt werden. Neu ist dabei auch eine verstärkte Öffentlichkeitsbeteiligung von Anfang an. Alle Schritte im Verfahren müssen transparent und nachvollziehbar sein.

Im Zuge des Verfahrens sollen dabei die für die Endlagerung der Abfälle potenziell geeigneten Wirtsgesteine Salz, Ton und Granit in Deutschland berücksichtigt werden.

Warum wurde eine „Endlagerkommission“ eingesetzt?

Gemäß § 3 des StandAG hatten Bundestag und Bundesrat 2014 eine Kommission eingesetzt, die die eigentliche Suche nach einem Endlagerstandort vorbereiten sollte. Unter den Mitgliedern der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ (Endlagerkommission) waren neben Politikern aus dem Bundestag und der Landesregierungen auch Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft. Das 34-köpfige Gremium unter dem Vorsitz von Ursula Heinen-Esser und Michael Müller hat in zweijähriger Arbeit wissenschaftliche und gesellschaftliche Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Die BGR als Ansprechpartner des Bundes zu geowissenschaftlichen Fragen bei der Endlagerung hat die Endlagerkommission fachlich beraten. BGR-Experten waren bei allen Sitzungen der Kommission als ständiger Gast anwesend. Die BGR hat zahlreiche Expertisen und Stellungnahmen abgegeben. Themen waren zum Beispiel die geowissenschaftlichen Kriterien zur Endlagerstandortsuche in anderen Ländern (K-MAT 23a) oder leicht verständliche Fakten zur Ton- und Tonsteinforschung (K-MAT 16).

Mit der Übergabe und Vorstellung des Abschlussberichts Anfang Juli 2016 hat die Endlagerkommission ihre Arbeit beendet. In ihrem 681-seitigen Abschlussbericht (K-Drs. 268) nimmt die Kommission u.a. Stellung zu

  • anderen Entsorgungsoptionen,
  • allgemeinen Sicherheitsanforderungen,
  • geowissenschaftlichen Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien,
  • planungswissenschaftlichen Kriterien,
  • vorläufigen Sicherheitsanalysen,
  • Kriterien für mögliche Fehlerkorrekturen im Verlauf des Verfahrens sowie zur
  • Organisationsstruktur und Öffentlichkeitsbeteiligung.

Als Entsorgungspfad empfiehlt die Endlagerkommission eine tiefengeologische Lagerung. Leitend für das vergleichende Auswahlverfahren werden die geowissenschaftlichen Kriterien sein, die die Kommission in diesem Bericht erarbeitet hat. Damit stehen die Kriterien, nach denen der Standort mit "bestmöglicher Sicherheit" gefunden werden soll, vor Beginn der Auswahl fest. Das Verfahren soll zudem durch Rückholbarkeit und Bergbarkeit der Abfälle Möglichkeiten zu Fehlerkorrekturen bieten.

Wann startet das Standortauswahlverfahren?


Nach der Abgabe des Abschlussberichts der Kommission prüfen Bundestag und Bundesrat in einem nächsten Schritt die Empfehlungen hinsichtlich einer Übernahme in das Standortauswahlgesetz. Zusätzlich soll der Bericht mit den vorgesehenen Mitteln der Öffentlichkeitsbeteiligung diskutiert werden. Ein Beginn der Standortsuche erfolgt im Anschluss nach einer Entscheidung des Bundestages frühestens ab 2018.

Wie wird das Standortauswahlverfahren ablaufen?


Die Endlagerkommission hat zum Ablauf des Suchverfahrens ausführliche Vorschläge erarbeitet. Sie sind im Abschlussbericht (K.-Drs. 286) dokumentiert. Ausgehend vom gesamten Bundesgebiet - von einer weißen Landkarte Deutschlands - werden anhand der vorab festgelegten Kriterien die zu erkundenden Standortregionen ausgewiesen. Welche Regionen in Deutschland nach Anwendung all dieser Kriterien als untersuchungswürdig gelten, wird also erst im Verlauf des Standortauswahlverfahren zu beurteilen sein. Als mögliche Wirtgesteine gelten dabei Salz, Ton und Kristallin.


Das Standortauswahlverfahren beginnt in Phase 1 mit dem Ausschluss von Regionen nach Maßgabe der Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen. Es folgt eine vergleichende Analyse auf Basis vorhandener Daten anhand der Abwägungskriterien und der repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen. In Phase 2 erfolgt die übertägige Erkundung (mittels Bohrungen und seismischen Messungen) der in Phase 1 identifizierten Standortregionen. Daran schließt sich die untertägige Erkundung (Errichtung eines Bergwerkes und Untersuchungen von untertage) der als Ergebnis der Phase 2 ausgewählten Standorte an.


Nach dem noch geltenden Stand AG soll eine Entscheidung, welche Standorte untertägig erkundet werden, bis 2023 erfolgt sein und das Standortauswahlverfahren bis zum Jahr 2031 abgeschlossen sein. Nach Auffassung der Kommission könnte jedoch die Einlagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe am gesuchten Standort mit „bestmöglicher Sicherheit“ erst im Jahr 2050 beginnen, falls es nicht zu unvorhergesehenen Verzögerungen kommt.

Welche Wirtsgesteine werden im Standortauswahlverfahren betrachtet?


Wirtsgestein Salz

Die Art, Zusammensetzung und Eigenschaften der Gesteine an den Endlagerstandorten bestimmen vornehmlich, wie gut diese natürliche Barriere die Umwelt vor Strahlung schützt. Steinsalz besitzt insbesondere für hochradioaktive wärmeentwickelnde Abfälle gute Isolationseigenschaften.

Bei der Erforschung von Salzstöcken als potenzielle Endlagerformationen für radioaktive Abfälle ist die BGR international führend. Die BGR hat 2008 eine geologische Karte über die Salzstrukturen in Norddeutschland herausgegeben. Die Übersichtskarte „Salzstrukturen Norddeutschlands“ im Maßstab 1:500.000 ist die erste Gesamtdarstellung aller rund 450 Salzstöcke, Salzkissen und Salzformationen in Norddeutschland inklusive der deutschen Nordsee.

1994 wurde von der BGR ein Katalog zusammengestellt, in dem die Salzstrukturen in Deutschland beschrieben und im Hinblick auf ihre Nutzung als Endlagerstandorte bewertet werden. Diese sogenannte Salzstudie (Download PDF, 6,3 MB) basiert jedoch nicht auf den jetzt neu entwickelten Kriterien. Die Salzstudie wurde als K-MAT 5 von der Endlagerkommission veröffentlicht.


Wirtsgestein Ton

Karte der untersuchungswürdigen Steinsalz- und Tonsteinformationen in Deutschland.Karte der untersuchungswürdigen Steinsalz- und Tonsteinformationen in Deutschland. Quelle: BGR

Neben Salzgesteinen werden auch andere potenzielle Wirtsgesteine, zum Beispiel Tonformationen, auf ihre Eignung zur Endlagerung untersucht. Die BGR führt dies in internationaler Zusammenarbeit in Untertagelabors vor allem in der Schweiz und in Frankreich durch. Dabei werden Methoden und Geräte für die geowissenschaftliche Erkundung von potenziellen Endlagerstandorten entwickelt und getestet. Ein weiteres Ziel der Arbeiten ist es, die Erkenntnisse aus den gemeinsamen internationalen Projekten auf gleichartige geologische Formationen in Deutschland zu übertragen.


Die BGR erhielt im Jahre 2003 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Auftrag, eine Studie über die Verbreitung von Tongesteinen als potenzielle Wirtsgesteine für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland zu erstellen. Die sogenannte Tonstudie (Download PDF, 21 MB) mit dem Titel "Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen Deutschlands. Untersuchung und Bewertung von Tongesteinsformationen." wurde am 18.04.2007 veröffentlicht. Die Tonstudie basiert jedoch nicht auf den jetzt neu entwickelten Kriterien.

Bei den für Tongesteine durchgeführten Untersuchungen dienten seinerzeit international anerkannte von der BGR für die Wirtsgesteine Salz und Kristallin formulierte Ausschluss- und Abwägungskriterien als Grundlage. Sie wurden ergänzt durch die im Jahr 2002 vom Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) aufgestellten wirtsgesteinsunabhängigen Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen. Zusätzlich wurden von der BGR weitere aus geowissenschaftlicher Sicht als maßgeblich erachtete Abwägungskriterien bei der Auswahl der Regionen herangezogen. Als Grundlage der Bearbeitung dienten alle verfügbaren Daten aus Karten, Archivmaterial und Bohrungen. Felduntersuchungen wurden nicht durchgeführt. Die Tonstudie wurde als K-MAT 6 von der Endlagerkommission veröffentlicht.

Wirtsgestein Kristallin


Als Ergänzung zu den potenziellen Wirtsgesteinen Salz und Ton wird in einigen Ländern die Möglichkeit der Endlagerung in kristallinen Gesteinen - zum Beispiel Granit – betrachtet. Die BGR hatte 1995 hierzu für Deutschland einen Katalog von untersuchungswürdigen Kristallinformationen für die Endlagerung hochaktiver wärmeentwickelnder Abfälle veröffentlicht, die sogenannte Kristallinstudie (Download PDF, 2 MB). Als Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Studie wurden jedoch kristalline Gesteine aufgrund der ungünstigeren geologischen Verhältnisse im Vergleich zu den Salz- und den Tonformationen in Deutschland als Wirtsgesteine für die Endlagerung radioaktiver Abfälle nicht favorisiert. Die Kristallinstudie wurde als K-MAT 4 von der Endlagerkommission veröffentlicht.


Der Kurzbericht „Untersuchung und Bewertung von Regionen mit potenziell geeigneten Wirtsgesteinsformationen“ (Download PDF, 1,2 MB) fasst die Forschungsergebnisse über die Wirtsgesteine Steinsalz, Kristallin und Tongesteine in Deutschland zusammen. Der Kurzbericht wurde als K-MAT 7 von der Endlagerkommission veröffentlicht.



Kontakt

    
Dr. Volkmar Bräuer
Tel.: +49-(0)511-643-2436
Fax: +49-(0)511-643-3694

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