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BGR registriert vermutlichen dritten nordkoreanischen Kernwaffentest

REGION:Provinz Nord-Hamgyong, Nord Korea
DATUM:12.02.2013
HERDZEIT:02:57:51 UTC
BREITE: 41.30° N
LÄNGE:129.01° E
TIEFE:1 km
MAGNITUDE:5.1

Am 12. Februar 2013 um 02:57 UTC (11:57 Uhr Ortszeit, 03:57 Uhr MEZ) wurde in der nordkoreanischen Provinz Nord-Hamgyong vermutlich ein weiterer unterirdischer Kernwaffentest durchgeführt. Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen viele Indizien für eine Nuklearexplosion. Das Verifikationssystem des Kernwaffenteststoppabkommens (CTBT - Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty) war mithilfe der seismischen Messstationen in der Lage, das Ereignis aufzuspüren, mit hoher Präzision zu lokalisieren und als Explosion zu identifizieren. Der Ausbau des internationalen Überwachungsnetzes (IMS - International Monitoring System) ist seit den beiden nordkoreanischen Kernwaffentests am 9. Oktober 2006 und 25. Mai 2009 weiter fortgeschritten. Insbesondere wurden neue Radionuklidstationen in den Regionen Ostasien und Nordpazifik in Betrieb genommen. Diese Art von Messstationen ermöglicht die endgültige Unterscheidung zwischen einer chemischen und nuklearen Explosion, wenn radioaktive Spaltprodukte in der Luft nachgewiesen werden können.
Die Druckwelle, welche durch die Explosion ausgelöst wurde, konnte von den seismischen Messstationen des IMS bereits nach kurzer Zeit registriert und der Explosionsort bestimmt werden. Das Epizentrum des aktuellen Ereignisses stimmt mit dem der ersten verifizierten Tests in Nordkorea von 2006 und 2009 überein.

Im Vergleich zu diesen beiden Tests (Magnitude 4,2 bzw. 4,8) wurde diesmal eine Magnitude von 5,1 bestimmt. Da die geologischen Gegebenheiten des Testgeländes unzureichend bekannt sind, kann daraus nur mit sehr großen Unsicherheiten die Ladungsstärke bestimmt werden. Für den Test 2013 entspricht sie 15 000 bis 30 000 Tonnen des chemischen Sprengstoffes TNT und liegt damit deutlich über den Werten von 2006 (zwischen 700 und 2 000 t) und 2009 (zwischen 5000 und 12 000 t). Aufgrund der sehr ähnlichen Seismogramme kann aus der Zunahme der Magnitude wesentlich verlässlicher geschlossen werden, dass die Ladungsstärke 2013 etwa zweieinhalbfach so hoch war wie 2009.

Abbildung 1: Karte mit der Lage des seismischen Ereignisses (Stern) und den nächstgelegenen seismischen Messstationen des IMS und lokaler Messnetze.   Abbildung 1: Karte mit der Lage des seismischen Ereignisses (Stern) und den nächstgelegenen seismischen Messstationen des IMS und lokaler Messnetze. Quelle: BGR


Die seismischen Signale wurden auch an der 8200 km entfernten deutschen Messstation GERES im Bayerischen Wald, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) als Teil des IMS betrieben wird, ca. 11,6 Minuten nach der erfolgten Explosion registriert. Abbildung 2 zeigt das registrierte Seismogramm der Station GERES im Vergleich mit den bisher durchgeführten Atomtests in Nordkorea am 9.10.2006 und am 25.05.2009. Die Bodenbewegungen aller Ereignisse stimmen überein, lediglich die Stärke ist unterschiedlich.

Abbildung 2: Vergleich der Seismogramme der nordkoreanischen Atomtests registriert an der deutschen Seismometerstation GERES im Bayerischen Wald. Der erste Ausschlag der gezeigten Seismogramme stellt die Kompressionswelle (die sogenannte P-Welle) dar.Abbildung 2: Vergleich der Seismogramme der nordkoreanischen Atomtests registriert an der deutschen Seismometerstation GERES im Bayerischen Wald. Der erste Ausschlag der gezeigten Seismogramme stellt die Kompressionswelle (die sogenannte P-Welle) dar. Quelle: BGR



Zur Identifikation der Sprengung als Kernwaffentest dienen Stationen zur Messung der radioaktiven Isotope in der Luft. Mithilfe dieser Stationen kann die so genannte 'smoking gun' (ein potenziell kritisches Ereignis) bestimmt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei unterirdischen Kernsprengungen vor allem Xenonisotope gemessen werden. Deshalb ist ein Teil der IMS-Radionuklidstationen zusätzlich mit Messgeräten zur Messung dieses Edelgases ausgerüstet. Alle zur Zeit in Betrieb befindlichen IMS-Radionuklidstationen im Umkreis des nordkoreanischen Testgeländes sind in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3: Karte mit der Lage des Explosionsortes in Nordkorea (Stern) und den nächstgelegenen IMS-RadionuklidmessstationenAbbildung 3: Karte mit der Lage des Explosionsortes in Nordkorea (Stern) und den nächstgelegenen IMS-Radionuklidmessstationen



Der Nachweis von radioaktiven Xenonisotopen an diesen Stationen wird in diesem Fall noch einige Tage bis Wochen dauern. Diese Isotope, die als Folge einer unterirdischen Kernsprengung entstehen, treten erst mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen aus dem Gebirgsmassiv aus. Der Transport durch die Atmosphäre von der Quelle zu den Stationen hängt danach wesentlich von den aktuellen meteorologischen Bedingungen ab und kann wiederum einige Tage dauern. In Abbildung 4 ist die atmosphärische Ausbreitung einer radioaktiven Wolke vom nordkoreanischen Testgebiet simuliert, wenn bereits wenige Stunden nach der Explosion eine Xenonemission aus dem Boden in die Atmosphäre erfolgen würde.


Abbildung 4: Atmosphärische AusbreitungsmodellierungAbbildung 4: Atmosphärische Ausbreitungsmodellierung für einen unmittelbaren Entlass von Radioisotopen aus der nordkoreanischen Quellregion basierend auf meteorologischen Vorhersagedaten (NCEP). Die Einzelbilder stellen die Ausbreitung und die Konzentration der radioaktiven Wolke nach ein bis sechs Tagen dar. Quelle: BGR




Kontakt 1:

    
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Tel.: +49-(0)511-643-3134
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