Interoperable Bohrdaten im bundesweiten Geodatenportal
Land / Region: Bundesrepublik Deutschland
Projektanfang: 01.09.2009
Projektende: 30.12.2011
Projektstand: 31.05.2012
Zukünftige Benutzeroberfläche der Bohrpunktkarte Deutschland
Quelle: BGR
Im Rahmen des Konjunkturpakets II (KP II) der Bundesregierung wurde das Projekt „Interoperable Bohrdaten im bundesweiten Geodatenportal“ mit den Staatlichen Geologischen Diensten (SGD), der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und der BGR (Koordination) durchgeführt.
In den Bundesländern ist der jeweilige SGD für die Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe der Informationen über regionale Bohrungen zuständig. Bisher konnten über das Internet-Angebot „Bohrpunktkarte Deutschland“ aus dem abgeschlossenen EU-Projekt „eEarth“ nur eingeschränkte und oftmals veraltete Informationen über die Bohrlokationen einzelner beteiligter Bundesländer abgerufen werden. Die Probleme bestanden in den landesspezifisch sehr heterogenen Bohrdatenformaten wie beispielsweise SEP3 in Niedersachsen und das DABO-Format in NRW, die einer einfachen Verfügbarkeit und einer grenzüberschreitenden, reibungslosen Nutzung aktueller Bohrdaten entgegenstanden.
Das Projektziel bestand in der bundesweit flächendeckenden Bereitstellung von interoperabel nutzbaren Bohrdaten im Rahmen der Geodateninfrastruktur Deutschlands (GDI-DE). Dazu werden gegenwärtig von allen beteiligten SGD standardisierte Geodatendienste (Web Feature Service, WFS) aufgebaut.
Geothermal exploration well in Barsinghausen
Quelle: BGR. Photo: Wolfgang Hake
Der Schlüssel zur plattformübergreifenden Nutzung liegt in der Definition eines Austauschformates innerhalb dieser Schnittstelle. Auf EU-Ebene hat man diese Notwendigkeit der Standardisierung auf Basis etablierter Normen der Geoinformatik erkannt und mit der INSPIRE-Richtlinie* den Weg zu einer barrierefreien Nutzung von Geobasis- und Umweltdaten eingeschlagen.
Mit der Einführung von Borehole Markup Language Version 3 (BoreholeML3) Anfang 2011 ist das notwendige Fundament zur interoperablen Nutzung von Bohrdaten in Deutschland im Rahmen des Projektes gelegt worden. Dieser XML-basierte Standard wurde von den SGD speziell zur Übertragung von Bohrdaten entwickelt und gemäß den INSPIRE-Methoden realisiert.
Er umfasst in generalisierter Form das gesamte Spektrum der Bohrlochbeschreibung von den Stammdaten (z.B. Identifikation, Lage, Bohrlochlänge und Art der Bohrung) über vertiefende Informationen zur Stratigraphie, Petrographie und Genese der erbohrten Schichten bis zu den Grundwasserbeobachtungs- und Bohrlochausbaudaten.
UML-Datenmodell der BoreholeML 3.0 – Übersicht
Quelle: SGD – www.infogeo.de
Ab dem Jahr 2010 wurden in mehreren Bundesländern Datenharmonisierungsarbeiten für ausgewählte Bohrungen durchgeführt. Als Ergebnis liegen die ehemals in verschiedenen SEP-Formaten gespeicherten Daten jetzt im gemeinsamen SEP3-Format vor. Ein erster Schritt in Richtung Interoperabilität ist somit getan. Der nächste Arbeitsschritt wird die vollständige Migration der Bohrdatenbestände in den jeweiligen Bundesländern nach SEP3 sein. Ein positiver Nebeneffekt ist dabei eine deutliche Qualitätsverbesserung infolge von Datenkorrekturen, die dem stringenteren SEP3-Format zu verdanken sind.
Die aus der Konvertierung resultierenden Synergieeffekte begünstigen auch den folgenden Projektschritt: Die Überführung der Quellbohrdaten aller beteiligten SGD (weitere länderspezifische Formate) in das bundesweit einheitliche BoreholeML3-Format. Der dafür benötigte Konverter wurde von einem Dienstleister erstellt. Gleichzeitig erfolgte eine Implementierung des neuen Bohrdaten-Standards in eine weit verbreitete Bohrdatenerfassungs- und Auswertungssoftware. Aktuell erfolgt bei den SGD die Konvertierung nach BoreholeML. Damit stehen zukünftig bundesweit nicht nur technisch interoperable, sondern auch semantisch harmonisierte Bohrdaten für den zentralen Zugriff bereit.
Nach Abschluss der Arbeiten werden die einheitlichen Daten über das zentrale Internetportal – Bohrpunktkarte Deutschland – dem Nutzer zur Verfügung gestellt. Das Webportal wurde bereits für die Visualisierung von BoreholeML-Daten überarbeitet und erweitert. Die zugrundliegende serviceorientierte Architektur der Bohrpunktkarte Deutschland wird es erstmalig ermöglichen, sämtliche frei verfügbaren Bohrungen inklusive detaillierter Informationen zentral und vor allem stets aktuell über ein Portal zu beziehen. Die aufzubauenden BoreholeML-WFS-Dienste könnten zudem in andere Clientanwendungen - wie beispielsweise in die der GDI-DE - eingebunden werden. Damit wäre es erstmals möglich über ein harmonisiertes Austauschformat Basisdaten u.a. zur geotechnischen Auswertung im Falle von Baugrunduntersuchungen länderübergreifend und unbürokratisch zu nutzen.
* (EU INSPIRE-Richtlinie: Infrastructure for Spatial Information in the European Community)
Literatur:
Fachbeiträge:
Offizieller Internetauftritt zum Datenstandard der Borehole Markup Language (BoreholeML)
http://www.infogeo.de/boreholeML
Datenspezifikation der BoreholeML 3.0 (HTML-Version)
http://www.infogeo.de/boreholeml/3.0/model/index.htm
Partner:
Staatliche Geologische Dienste (Deutschlands):
- Regierungspräsidium Freiburg
Abt. 9: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (RPF-LGRB)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt
Abt. 10: Geologischer Dienst, Wirtschaftsgeologie, Bodenschutz (LfU)
- Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Geologie und Grundwassermanagement, VIII E 3,
Integrativer Umweltschutz, Abteilung VIII (SenStadtUm)
www.stadtentwicklung.berlin.de
- Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR)
- Geologischer Dienst für Bremen (GDfB)
- Geologisches Landesamt Hamburg - Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU)
- Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie,
Abt. Geologie und Boden, Geologischer Landesdienst (HLUG)
- Geologischer Dienst des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG)
- Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG)
- Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen, Landesbetrieb (GD-NRW)
- Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Abteilung 10 Geologie (LfULG)
- Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB)
- Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein,
Abt. Geologie und Boden (LLUR)
Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)
Förderungsnummer:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) IT-Investitionsprogramm - BGR-D2-06-5