BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Pressemitteilung

Hannover, 08.12.2015

BGR-Energiestudie 2015:
Energierohstoffe im Überblick – Zahlen, Daten, Fakten

Viele Industriestaaten und insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer mit absehbar steigendem Energiebedarf setzen für ihren zukünftigen Energiemix neben Sonne, Wind und Geothermie weiter auf Erdöl, Erdgas und Kohle. Auch Deutschland wird noch für viele Jahre auf fossile Energierohstoffe angewiesen sein. Mit einem Anteil von derzeit rund 80 % leisten Erdöl, Erdgas, Stein- und Braunkohle nach wie vor den mit Abstand größten Beitrag zur Deckung des deutschen Primärenergieverbrauchs. Aus geologischer Sicht gibt es für alle Energierohstoffe mit Ausnahme des konventionellen Erdöls weltweit noch große Vorräte. Das ist das Ergebnis der jetzt vorgelegten „Energiestudie 2015 – Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)*.

„Von grundlegender Bedeutung für den global nur langfristig umsetzbaren Übergang in ein kohlenstoffarmes Energiesystem ist, dass fossile Energieträger auch künftig in dem Maße bereitgestellt werden können, wie sie tatsächlich noch benötigt werden“, betont BGR-Energierohstoffexperte Dr. Harald Andruleit.

Die Ergebnisse im Einzelnen:
Erdöl ist der wichtigste Energieträger mit einem Anteil von rund 32 % am globalen Primärenergieverbrauch. Die Welterdölförderung stieg 2014 auf ein neues Allzeithoch von 4.240 Mio. t an. Die bekannten geologischen Vorräte (Reserven: 219 Mrd. t) erhöhten sich nur geringfügig. Infolge des derzeit niedrigen Ölpreises und der anhaltend hohen Förderung ist mit größeren Veränderungen im Kohlenwasserstoffsektor zu rechnen. Mittel- bis langfristig könnten Investitionseinsparungen seitens der Ölindustrie auch wieder zu Förderengpässen führen und Preissteigerungen zur Folge haben. Für die kommenden Jahre kann aus geologischer Sicht bei einem weiterhin moderaten Anstieg des Verbrauchs die Versorgung mit Erdöl gewährleistet werden.

Der Förderrückgang aus Ländern der OPEC und Afrikas konnte hauptsächlich durch Zunahmen in Nord- und Lateinamerika und der OECD-Staaten (hier plus 4,8 %) mehr als ausgeglichen werden. Auch 2014 ist die Förderung von Erdöl aus dichten Gesteinen (Tight Oil) in den USA weiter steil angestiegen. Erst im Verlauf von 2015 zeichnet sich eine Abflachung der Förderleistung ab. Eine globale Ausweitung der Förderung aus dichten Gesteinen steht weiterhin aus und ist bei dem momentan niedrigen Ölpreis auch nicht zu erwarten.

Erdgas ist mit einem Anteil von 23,7 % am globalen Primärenergieverbrauch hinter Erdöl und Kohle (30 %) drittwichtigster Energieträger. Der Anstieg des weltweiten Erdgasverbrauchs betrug 1,4 % und lag damit erneut unter dem historischen 10-Jahres-Durchschnitt von 2,6 %. Die seit einigen Jahren in Szenarien dargestellten hohen Wachstumsraten sind damit bislang ausgeblieben.

Aus geologischer Sicht ist Erdgas noch in sehr großen Mengen vorhanden. Derzeit weist die BGR weltweit rd. 198 Billionen m3 Erdgasreserven aus. Auch bei einem absehbar steigenden Bedarf kann die Versorgung der Welt aufgrund des hohen verbleibenden Erdgaspotenzials noch über viele Jahrzehnte gewährleistet werden. In den vergangenen fünf Jahren war die Erdgasförderung in Deutschland (–32 %) und Europa (–11 %) rückläufig. Damit wächst die Abhängigkeit von Importen, insbesondere aus der Russischen Föderation, aber auch aus dem Nahen Osten und Afrika.

Die Reserven und Ressourcen an Hartkohle und Weichbraunkohle können aus geologischer Sicht einen steigenden Bedarf für viele Jahrzehnte decken. Mit einem Anteil von rund 55 % an den Reserven und rund 89 % an den Ressourcen verfügt Kohle über das größte Potenzial von allen nicht-erneuerbaren Energierohstoffen. Deutschland erhöhte seine Importe an Hartkohle (Steinkohle) auf nunmehr rund 54 Mio. t. Zusammen mit Koks- und Briketteinfuhren muss Deutschland derzeit 87 % seines Bedarfs an Steinkohle und Steinkohleprodukten importieren.

Die Kernenergie verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Aus globaler Sicht bleibt sie weiterhin ein wichtiger Energieträger. In Europa wird die Nachfrage nach Uran künftig voraussichtlich weiter sinken, vor allem in Asien und im Nahen Osten ist mit einem Anstieg des Uranverbrauchs zu rechnen. Die globalen Vorräte für Uran sind sehr umfangreich, sodass aus geologischer Sicht in absehbarer Zeit kein Engpass bei der Versorgung mit Kernbrennstoffen zu erwarten ist.

Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg sowohl im Transportsektor als auch zur Stromerzeugung weiter an und erreichte mit rund 13,5 % seinen bislang größten Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch. Über Dreiviertel entfallen auf die biogenen Energieträger, wobei der Hauptanteil mit rund 70 % auf fester Biomasse und im speziellen auf Brennholz beruht. Das globale Potenzial der Tiefen Geothermie ist sehr groß, wird jedoch bislang nur wenig genutzt.

Unter dem Titel "Energierohstoffe im Fokus" stellt die BGR-Studie in einem Sonderteil Entwicklungen im Bereich förderungssteigernder Maßnahmen bei der Erdöl- und Erdgasgewinnung (EOR) dar. Außerdem wird die Bedeutung der Geothermie für den ostafrikanischen Energiesektor sowie die Rolle von Erdöl und Erdgas für Entwicklungs- und Schwellenländer beleuchtet.

*Datenbasis für die Studie: Ende 2014

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/energiestudie2015.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Harald Andruleit, Tel.: 0511 643 2513 , E-Mail: Harald.Andruleit@bgr.de


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Pressesprecher: Andreas Beuge, Tel.: 0511 643 2679
E-Mail: Andreas.Beuge@bgr.de, Internet: http://www.bgr.bund.de
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