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Pressemitteilung

Hannover, 06.01.2016

Nordkorea: BGR registriert vermutlichen Kernwaffentest

Am 6. Januar 2016 um 01:30 Uhr Weltzeit (10:00 Uhr Ortszeit, 02:30 Uhr MEZ) wurde in der nordkoreanischen Provinz Nord-Hamgyong vermutlich ein weiterer unterirdischer Kernwaffentest durchgeführt. Die seismischen Signale wurden auch von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) registriert.

An der BGR ist das Nationale Datenzentrum für die Überwachung des Kernwaffentest-stoppabkommens (CTBT – Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty) angesiedelt. Mit Hilfe des internationalen Überwachungsnetz (IMS – International Monitoring System) der CTBT-Organisation in Wien, für das auch die BGR Stationen betreibt, konnte das Ereignis in hoher Präzision lokalisiert und als Explosion identifiziert werden. Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion.

Die BGR hat die Signale an ihrer 8.200 km entfernten deutschen IMS-Messstation GERES im Bayerischen Wald ca. 11:38 Minuten nach der erfolgten Explosion aufgezeichnet. Das Epizentrum des aktuellen Ereignisses stimmt mit den Kernwaffentests in Nordkorea am 9. Oktober 2006, am 25. Mai 2009 und am 12. Februar 2013 überein. Im Vergleich zu diesen Tests (Magnitude 4,1, 4.8 bzw. 5,1), bei denen es sich um so genannte Spaltbomben gehandelt hat, wurde diesmal eine Magnitude von 5,1 bestimmt. Das entspricht in etwa einer Ladungsstärke von 14.000 t des chemischen Sprengstoffes TNT. Der aktuelle Test liegt damit deutlich über den Werten von 2006 (700 t), 2009 (5.400 t) und entspricht etwa der Stärke des Tests im Jahr 2013 (14.000 t).

Eine endgültige Unterscheidung zwischen einer chemischen und nuklearen Explosion ist erst möglich, wenn an Messstationen des IMS radioaktive Spaltprodukte nachgewiesen werden können. Dies setzt allerdings voraus, dass durch die Explosion entstandene radioaktive Substanzen in die Atmosphäre gelangen. Ergebnisse hierzu werden frühestens ab dem 8. Januar erwartet. Im Fall einer unmittelbaren Freisetzung solcher Substanzen würde die IMS-Station in Japan innerhalb von 48 Stunden erreicht werden, wie bereits erste Vorhersageberechnungen zeigen. Nachzuweisende Freisetzungen sind aber auch noch nach einigen Wochen möglich.

Anhand der seismologischen Registrierungen allein ist es nicht möglich, zwischen einer nuklearen oder thermonuklearen Explosion (Wasserstoffbombe) zu unterscheiden. Jedoch ist davon auszugehen, dass bei einer Wasserstoffbombe eine größere Sprengkraft erzeugt wird, was nach bisherigen Erkenntnissen hier nicht der Fall ist.

Weitere Informationen:
Zum vermutlichen Kernwaffentest in Nordkorea
http://www.seismologie.bgr.de/sdac/erdbeben/kernexplosion/nkorea_20160106_deu.html

Zum Thema Kernwaffenteststoppabkommen
http://www.kernwaffenteststopp.bgr.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Seismologe vom Dienst, Tel.: 0170 2357564 (Hotline, täglich 08:30 - 16:30 Uhr)
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