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Pressemitteilung

Hannover, 08.12.2016

BGR-Energiestudie 2016:
Der globale Energieverbrauch steigt – die Reserven bleiben stabil

Die weltweit wachsende Bevölkerungszahl und die Erhöhung des allgemeinen Lebensstandards werden auch langfristig einen steigenden Energiebedarf zur Folge haben. Neben dem steigenden Anteil der erneuerbaren Energien und höherer Energieeffizienz werden fossile Energien auf absehbare Zeit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur globalen Energieversorgungssicherheit leisten. Dies ist erforderlich, um einerseits den Ausbau der erneuerbaren Energien zu ermöglichen und andererseits den Wechsel im Energiemix ohne Brüche zu vollziehen. So lautet das Fazit der Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die jetzt ihre aktuelle „Energiestudie 2016 – Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen“ vorgelegt haben.

„Erdöl, Erdgas, Stein- und Braunkohle leisten derzeit mit knapp 80 Prozent den größten Beitrag zur Deckung des globalen und deutschen Primärenergieverbrauchs", erläutert BGR-Energierohstoffexperte Dr. Harald Andruleit. Er verweist weiterhin auf ein zweites wichtiges Ergebnis der Studie: „Das Jahr 2015 war von einem vergleichsweise niedrigen Preisniveau für Energierohstoffe geprägt. Dabei sind die weltweiten Vorräte weitgehend stabil geblieben aufgrund der noch in vorangegangenen Jahren angeschobenen Explorationsprojekte.“ Damit gibt es aus rohstoffgeologischer Sicht für alle Energierohstoffe, mit Ausnahme des konventionellen Erdöls, weltweit noch große Vorräte.

Deutschland hat mit der „Energiewende“ sowie dem bereits 2012 getroffenen Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie den Umbau der Versorgung mit Primärenergie eingeleitet und hat sich – zuletzt auch mit dem Beitritt zum Pariser Klimaschutzabkommen – den globalen Klimazielen verschrieben. In Deutschland weist der Anteil der erneuerbaren Energieträger zur Deckung der Primärenergieversorgung große Wachstumsraten auf. „Der Umbau der bestehenden Energiesysteme ist jedoch enorm komplex. Zu den künftigen Herausforderungen gehören dabei u. a. die Entwicklung von Speichersystemen, eine weitere Verbesserung der Energieeffizienz sowie die Anpassung der Stromnetze“, so Dr. Volker Steinbach, Leiter der Abteilung „Energierohstoffe, Mineralische Rohstoffe“ in der BGR.

Die Ergebnisse der Studie* im Einzelnen

Erdöl ist der weltweit wichtigste Energielieferant und wird es in absehbarer Zukunft bleiben. Der Anteil an Erdöl am Primärenergieverbrauch erhöhte sich im Berichtszeitraum auf nun 35 Prozent. In den nächsten Jahren kann aus rohstoffgeologischer Sicht bei einem moderaten Anstieg die Versorgung mit Erdöl gewährleistet werden. Sowohl die Förderung (4,3 Milliarden t, +2,5 % gegenüber dem Vorjahr) als auch die Ressourcen (354 Milliarden t, +3,2 %) stiegen im Berichtsjahr, während die Reserven (216 Milliarden t, -1,5 %) leicht fielen. Die kurzfristige Entwicklung des Erdölpreises ist nicht vorhersagbar. Der Preisrückgang des Erdöls setzte sich auch 2015 aufgrund des anhaltenden Überangebots fort. Preissteigerungen sind jedoch für die Zukunft abzusehen. Bei anhaltend niedrigen Investitionen der Kohlenwasserstoff-Industrie infolge des Erdölpreisverfalls der letzten drei Jahre besteht bereits mittelfristig die Gefahr von Versorgungsengpässen, da der Förderrückgang produzierender Felder nicht mehr ausreichend kompensiert werden kann.

Erdgas ist mit einem gegenüber dem Vorjahr leicht erhöhten Anteil von 23,8 Prozent am globalen Primärenergieverbrauch hinter Erdöl und Hartkohle drittwichtigster Energieträger. Etwa 80 Prozent der globalen Erdgasreserven befinden sich in den Ländern der OPEC (94 Billionen m³) sowie der GUS (63 Billionen m³) und sind fast ausschließlich konventionell. Weltweit liegt der Anteil der nicht-konventionellen Reserven bei unter 5 Prozent. Aus rohstoffgeologischer Sicht kann die Erdgasversorgung der Welt auch bei einem steigenden Verbrauch noch über Jahrzehnte gewährleistet werden. Aufgrund der rückläufigen Erdgasförderung in Deutschland und Europa wächst die Abhängigkeit von Importen.

Die Reserven und Ressourcen an Hartkohle und Weichbraunkohle können aus rohstoffgeologischer Sicht den erkennbaren Bedarf für viele Jahrzehnte decken. Mit einem Anteil von rund 55 Prozent an den Reserven und rund 89 Prozent an den Ressourcen verfügt Kohle über das größte Potenzial von allen nicht-erneuerbaren Energierohstoffen. Die Entwicklung der globalen und damit auch der europäischen Kohlenpreise wird maßgeblich durch die aktuelle Situation in Asien bestimmt. Ausgehend von Verknappungen im asiatischen und hier vor allem im chinesischen Markt stiegen seit dem Spätsommer 2016 erstmalig nach rund fünf Jahren die Kohlenpreise. Deutschland erhöhte 2015 erneut seine Importe an Hartkohle (Steinkohle) auf nunmehr rund 55,5 Millionen Tonnen (+3,4 %). Zusammen mit Koks- und Briketteinfuhren importiert Deutschland derzeit rund 89 Prozent seines Bedarfs an Steinkohle und -produkten.

Die Kernenergie verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Aus globaler Sicht bleibt sie weiterhin ein wichtiger Energieträger. In Europa wird die Nachfrage nach Uran künftig voraussichtlich weiter sinken, vor allem in Asien und im Nahen Osten ist mit einem Anstieg des Uranverbrauchs zu rechnen. Die globalen Vorräte für Uran sind sehr umfangreich, sodass aus rohstoffgeologischer Sicht in absehbarer Zeit kein Engpass bei der Versorgung mit Kernbrennstoffen zu erwarten ist.

Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg sowohl im Transportsektor als auch zur Stromerzeugung weiter an und erreichte mit rund 14 Prozent seinen bislang größten Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch. Knapp 77 Prozent des globalen Ausbaus der installierten Stromerzeugungskapazitäten erfolgte 2015 durch den Zubau von erneuerbaren Energien. Zukünftig ist mit einem weiteren Ausbau in allen Bereichen der Energieversorgung zu rechnen. Das globale Potenzial der Tiefen Geothermie ist sehr groß, wird jedoch bislang nur wenig genutzt. Eine besondere Bedeutung könnte die Geothermie für Entwicklungsländer beispielsweise in Ostafrika erreichen, wo sie zur Strom- als auch Wärmeerzeugung in infrastrukturschwachen Regionen beitragen kann.

*Datenbasis für die Studie: Ende 2015

Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de/energiestudie2016.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Harald Andruleit, Tel.: 0511 643 2513 , E-Mail: Harald.Andruleit@bgr.de


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Pressesprecher: Andreas Beuge, Tel.: 0511 643 2679
E-Mail: Andreas.Beuge@bgr.de, Internet: http://www.bgr.bund.de

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