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Pressemitteilung

Hannover, 07.06.2018

Manganknollen-Expedition im Pazifik: BGR-Experten untersuchten Tiefseeumwelt vor erstem Gerätetest eines Manganknollen-Kollektors

Ein Team von elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist jetzt von einer achtwöchigen Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE aus dem deutschen Manganknollen-Lizenzgebiet im Zentralpazifik nach Hannover zurückgekehrt. Vor einem für 2019 geplanten ersten Gerätetest weit im Vorfeld einer möglichen zukünftigen Gewinnung wurden umfangreiche Untersuchungen zur Tiefseeumwelt und zu den Manganknollenvorkommen durchgeführt.

Die BGR erkundet das 75.000 Quadratkilometer große Lizenzgebiet seit 12 Jahren. Grundlage dafür ist ein im Jahr 2006 zwischen der Internationalen Meeresbodenbehörde und der BGR geschlossener Vertrag, der es Deutschland gestattet, in diesem Gebiet 15 Jahre lang den Bestand an Manganknollen in vier Kilometern Wassertiefe zu erkunden und gleichzeitig umfangreiche Umweltuntersuchungen durchzuführen.

Bei ihrer aktuellen Expedition haben die BGR-Experten gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung (Wilhelmshaven), der Jacobs University Bremen und der Heriot-Watt University (Schottland) einen Teilbereich des deutschen Lizenzgebietes untersucht, in dem im kommenden Jahr ein Manganknollen-Kollektor getestet werden soll. Die belgische Firma DEME-GSR entwickelt zurzeit einen Prototyp im Maßstab 1:4. Ziel dieses Tests ist es, die Machbarkeit der Knollenaufnahme unter den Bedingungen der Tiefsee mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und extrem hohem Druck zu prüfen. Außerdem sollen die Auswirkungen eines möglichen zukünftigen Manganknollenabbaus auf die Meeresumwelt und die Biodiversität unter realitätsnahen Bedingungen eingeschätzt werden. Diese Erkenntnisse sind auch wichtig für die Entwicklung von Regularien zum Tiefseebergbau, die zurzeit bei der Internationalen Meeresbodenbehörde erarbeitet werden. „Damit leistet Deutschland, das sich für hohe Umwelt- und Sozialstandards in dem neuen internationalen Regelwerk einsetzt, einen wichtigen Beitrag für eine künftige verantwortungsvolle Rohstoffgewinnung in der Tiefsee“, erklärt BGR-Expeditionsleiter Dr. Carsten Rühlemann.

Voraussetzung für den Kollektortest ist eine Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen und der natürlichen Umweltbedingungen wie Partikelkonzentration und -zusammensetzung sowie der Beschaffenheit und Strömung des Bodenwassers. Ein Vergleich der Lebensgemeinschaften vor und nach dem Test soll Auskunft darüber geben, wie sich eine Gewinnung auf das Ökosystem der Tiefsee auswirkt. Mit speziellen Geräten wurden deshalb die in und auf dem Meeresboden lebenden Tiere entnommen oder fotografiert – vor allem Fadenwürmer und Ruderfußkrebse, aber auch Seegurken, Schlangensterne und Schwämme sowie andere Kleinstlebewesen, die im Sediment leben. Mit Hilfe von Genanalysen werden die Proben jetzt ausgewertet, um den Artenreichtum und das Verbreitungsgebiet der Tierwelt in den ausgedehnten Knollenfeldern zu analysieren.

Während der Expedition wurden in 4100 Metern Tiefe auch sechs Strömungsmesser verankert, die an drei verschiedenen Positionen über ein Jahr hinweg die Geschwindigkeit und Richtung der Bodenwasserströmung aufzeichnen werden. „Die Daten unserer Strömungsmesser bilden die Grundlage für Studien zur Verdriftung von Suspensionswolken, die durch Abbaugeräte erzeugt werden können", erläutert Rühlemann.

Ein weiteres Ziel der Expedition war die Erkundung eines wirtschaftlich hochinteressanten Manganknollenfeldes mit einer Fläche von 350 Quadratkilometern. Dort entdeckten die BGR-Experten ein Vorkommen mit rund acht Millionen Tonnen Knollen. „Wir haben uns auf einen Bereich mit sehr hoher Knollendichte in einem möglichst flachen Gelände konzentriert. Neben diesem ausgewählten Areal gibt es noch eine Reihe weiterer vielversprechender Felder mit einer Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratkilometern, die dicht mit Manganknollen belegt sind und ein großes Rohstoffpotenzial besitzen", so Rühlemann. Neben den Wertmetallen Nickel, Kupfer und Kobalt, die rund 3 Prozent der Knollenmasse ausmachen und wichtige Rohstoffe für die erneuerbare Energietechnologien sind, soll auch Mangan als Hauptbestandteil im Rahmen eines „Zero-Waste-Konzepts" wirtschaftlich genutzt werden.

Weitere Informationen

zur Manganknollen-Exploration:
https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/MarineRohstoffforschung/Meeresforschung/Erkundung-mariner-mineralischer-Rohstoffe/erkundung-mariner-mineralischer-rohstoffe_node.html

zum Forschungsschiff SONNE:
https://www.portal-forschungsschiffe.de/schiffe/sonne

Fachliche Ansprechpartner
Dr. Carsten Rühlemann, Tel.: 0511 643 2412, E-Mail: Carsten.Ruehlemann@bgr.de
Dr. Thomas Kuhn, Tel.: 0511 643 3780, E-Mail: Thomas.Kuhn@bgr.de
Dr. Annemiek Vink, Tel.: 0511 643 2392, E-Mail: Annemiek.Vink@bgr.de

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Pressesprecher: Andreas Beuge, Tel.: 0511 643 2679
E-Mail: Andreas.Beuge@bgr.de, Internet: http://www.bgr.bund.de
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