BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Kooperation mit Frankreich im Untertagelabor Meuse/Haute-Marne

Land / Region: Frankreich

Projektanfang: 01.01.2001

Projektende: 31.12.2021

Projektstand: 31.01.2017

Ansicht der oberirdischen Anlagen des Untertagelabors BureAnsicht der oberirdischen Anlagen des Untertagelabors Bure Quelle: ANDRA

In Frankreich führt die ANDRA (Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs) seit 1994 wissenschaftliche Untersuchungen durch, um einen geeigneten Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu finden. Nach einem Auswahlverfahren und ersten Untersuchungen wurde die Region Meuse/Haute-Marne als ein möglicher Standort für ein Endlager in Tonsteinen des Jura (Callovo-Oxfordium) ausgewählt. Im Jahr 2000 hat die ANDRA in dieser Region das Untertagelabor Meuse/Haute-Marne am Standort Bure, ca. 175 km westlich von Straßburg, aufgefahren. Dort wird in ca. 490 m Tiefe die Möglichkeit einer reversiblen oder irreversiblen Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen geprüft. Hierfür werden die spezifischen Eigenschaften des Tonsteins untersucht und Einlagerungskonzepte erprobt.

Auf der Basis internationaler Kooperationen ermöglicht es die ANDRA nationalen und internationalen Forschungsinstitutionen, sich an dem geplanten Untersuchungsprogramm im Untertagelabor mit eigenem Know-how zu beteiligen. Die BGR wendet ihre Expertise und ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der geotechnischen In-situ-Untersuchungen in Bure an und erweitert damit auch ihre Kenntnisse zum Wirtsgestein Ton. Durch ihre Teilnahme an Kooperationen auf international hohem Niveau ermöglicht die BGR die Übertragung wissenschaftlicher Ergebnisse auf gleichartige Wirtsgesteinsformationen in Deutschland.

Schwerpunkte der BGR-Untersuchungen im Untertagelabor Meuse/Haute-Marne sind:

  • bohrlochseismische Messungen und Permeabilitätsuntersuchung zur Charakterisierung der Auflockerungszone,
  • Permeabilitätsuntersuchungen zur Anisotropie des Gebirges,
  • Modellberechnungen zu den Auswirkungen der Streckenauffahrung,
  • In-situ-Untersuchungen und begleitende Modellberechnungen zur Charakterisierung der Auflockerungszone im Streckennahbereich.

Zwischen der ANDRA und der BGR besteht seit 2001 ein Kooperationsvertrag (“Umbrella Cooperation Agreement concerning the Meuse/Haute-Marne Underground Research Laboratory“), der 2017 mit einer Laufzeit von 5 Jahren bis 2021 verlängert wurde.

In einem ca. 200 km2 großen Gebiet um das Untertagelabor hat die ANDRA ein umfangreiches Standorterkundungsprogramm durchgeführt. Auf Basis der Erkundungsergebnisse hat sie im Anschluss ein ca. 35 km2 großes Gebiet nördlich vom Untertagelabor ausgewiesen, in dem ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut werden soll. In diesem Bereich erfüllen die Tonsteine des Callovo-Oxfordium nach den bisherigen Ergebnissen die geforderten wissenschaftlichen und geologischen Sicherheitskriterien für ein Endlager.

Das Standortuntersuchungsprogramm und die Forschungsaktivitäten im Untertagelabor Meuse/Haute-Marne bilden die Grundlage für das geplante Endlager für hochradioaktive Abfälle „Centre industriel de stockage réversible profond de déchets radioactifs en Meuse/Haute-Marne“ (Cigéo). Aktuell werden die Planungsunterlagen für das Genehmigungsverfahren erstellt, das 2018 eingeleitet werden soll. In die Planungen gingen auch die Ergebnisse der 2015 durchgeführten öffentlichen Debatte mit ein. 

Die gesetzlichen Grundlagen für das geplante Endlager in Frankreich sind in den Gesetzen zur Endlagerung von 1991, 2006 und 2016 verankert. In 2016 wurde die Rückholbarkeit der radioaktiven Abfälle im Gesetz aufgenommen und das Vorgehen zur Errichtung eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle weiter präzisiert.

Partner:

ANDRA (Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs)
www.andra.fr

Kontakt:

    
Jürgen Sönnke
Tel.: +49 (0)511-643-2430
Fax: +49 (0)511-643-2304

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