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Erdbeben in der zentraliranischen Provinz Kerman

REGION:Provinz Kerman, Iran
DATUM:22. Februar 2005
HERDZEIT:02:25:27 GMT
BREITE: 30.75 N
LÄNGE:56.80 E
TIEFE:42 km
MAGNITUDE:M = 6.4 (USGS)
Letzte Modifikation:23.02.2005, 08:00 MEZ

Am Dienstag, den 22.02.2005 ereignete sich um 02:25 (GMT) in der Provinz Kerman in Zentral-Iran ein schweres Erdbeben mit einer Magnitude von 6.4. Mehr als 420 Tote und über 900 Verletzte wurden bereits gemeldet. Das Epizentrum des Erdbebens lag etwa 60 km nordwestlich der Provinzhauptstadt Kerman. Etwa 40 Dörfer in der Umgebung von Zarand sind von Schäden stark betroffen, einige davon sollen zu mehr als 90 % zerstört sein.

Iran liegt in der Kollisionszone, in der sich die arabische Platte mit ca. 3.5 cm pro Jahr nordwärts gegen die eurasische Platte verschiebt. In dem durch den permanenten Druck entstandenen Faltengürtel wird die angestaute Energie immer wieder duch teilweise starke Erdbeben entlang der Vielzahl von Verwerfungsszonen abgebaut. Auf der nachfolgenden Karte sind alle Erdbeben seit 1970 mit einer Magnitude größer als 5.0 mit roten Punkten gekennzeichnet. Das Epizentrum des Erdbebens vom 22. Februar ist mit einem Stern markiert. Es liegt am westlichen Rand des sog. Lut-Blockes, einem von zwei starren Blöcken, die zwischen der eurasischen und arabischen Platte eingeklemmt sind. Die Energiefreisetzung (Erdbeben) erfolgt hier überwiegend an den Blockrändern.

Iran mit Erdbeben seit 1970 und Bewegungsrichtung der Platten

Etwa 240 km südöstlich vom jetzigen Epizentrum ereignete sich am 26. Dezember 2003 das verheerende Erdbeben in Bam, bei dem 31.000 Menschen ihr Leben ließen und etwa 85 Prozent der Gebäude in Bam beschädigt wurden. Dieses Beben sowie alle weiteren Erdbeben der letzten 35 Jahre mit katastrophalen Auswirkungen im Iran sind in der nachfolgenden Karte markiert.

Iran mit Katastrophenbeben der letzten 35 Jahre

Quelle: BGR; Tektonik, vereinfacht nach "Map of major active faults of Iran", International Institute of Earthquakes Engeneering and Seismology of Iran

Das Erdbeben wurde auch von den in Deutschland betriebenen Seismometerstationen registriert. In der nachfolgenden Abbildung sind die seismischen Aufzeichnungen der drei Richtungskomponenten ('z' - vertikale Richtung; 'e' - E-W Richtung; 'n' - N-S-Richtung) an der Referenzstation GEC2 des GERES-Arrays in einem einstündigen Zeitfenster ab dem Beginn des Erdbebens dargestellt. Deutlich kann man die Einsätze der zuerst eintreffenden Kompressionswelle ('P') und ihrer ersten Multiplen ('PP') nach etwas mehr als 7 bzw. 8.5 Minuten nach der Herdzeit erkennen. Auf der Horizontalkomponente 'e' ist die Scherwelle ('S') am deutlichsten zu erkennen. Nach einer Laufzeit von etwa 17 Minuten treffen die Oberflächenwellen mit den stärksten Ausschlägen ein.

Seismogramme des GEC2-Stations mit markierten Ankunftzeiten der Signale

Die folgende Abbildung zeigt die nach wachsender Entfernung zum Epizentrum angeordneten Aufzeichnungen an einer Auswahl von Erdbebenstationen des Deutschen Seismologischen Regionalnetzes GRSN (German Regional Seismological Network). Die Namen der Stationen sind links (als Abkürzung) angegeben, die Entfernung in [km] zum Epizentrum ist jeweils rechts angegeben. Die Zeitangabe entspricht der Laufzeit seit dem Beginn des Erdbeben. Die dargestellten Daten wurden kurzperiodisch gefiltert. Bei allen Stationen ist der Ersteinsatz der P-Welle rot markiert. Aus der Differenz der Ankunftszeiten kann die Richtung der eintreffenden Welle und die Entfernung des Erdbebenherdes bestimmt werden.

Seismogramme der GRSN-Stationen mit markierten Ankunftzeiten der Signale

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