BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Vernetzung in Geodateninfrastrukturen

Die BGR ist auf vielfältige Weise am Aufbau von nationalen und europäischen Geodateninfrastrukturen beteiligt. Im Rahmen der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE) vertritt die BGR die geowissenschaftlichen Belange in der Arbeitsgruppe des IMAGI (Interministerieller Ausschuss für Geoinformationswesen). Die Geschäftsstelle der Kommission für Geoinformationswirtschaft (GIW-Kommission), die in der BGR angesiedelt ist, vermittelt zwischen den Anforderungen der Wirtschaft und den Datenbereitstellern in der Verwaltung. In der europäischen Initiative INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in Europe) arbeitet die BGR an den Implementierungsregeln Data specifications mit.

Entscheidungen in Verwaltung und Wirtschaft werden zu 80% auf der Basis raumbezogener Informationen (Geoinformationen) getroffen:

  • Wo können neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden (konkurrierende Nutzung)?
  • In welchen Gebieten kann geothermische Energie genutzt werden?
  • Ist in der Region mit Umweltrisiken wie z.B. Erdbeben, Überflutung oder Erdrutsch zu rechnen?

Für die Beantwortung derartiger Fragen sind neben Fachinformationen auch Informationen über die geographische Lage (Raumbezug) erforderlich.

Das Beispiel „Elbe-Hochwasser im August 2002“ hat gezeigt, dass die Harmonisierung und Interoperabilisierung staatlicher Geoinformationen, aber auch insbesondere ihre Verfügbarkeit, eine entscheidende Rolle bei der Planung und Umsetzung komplexer Maßnahmen spielt. Bei dieser Umweltkatastrophe wurde offenbar, dass die Daten zur Lösung eines Problems durchaus vorhanden, jedoch an unterschiedlichen Stellen beim Bund, den Ländern oder den Kommunen vorgehalten werden. Transparenz über die Informationsverteilung ist häufig nicht gegeben. Erschwerend kommt oft hinzu, dass Daten nach unterschiedlichen Kriterien erhoben und aufbereitet worden sind. Dies kann dazu führen, dass schnelles Handeln aufgrund inhomogener Informationsgrundlagen erschwert oder gar unmöglich gemacht wird: Rettungskräfte werden an falsche Positionen geleitet oder Hilfsmaßnahmen erreichen nicht ihren geplanten Wirkungsgrad, weil sie nicht an den optimalen Positionen erfolgen. Derartige Situationen können insbesondere dann eintreten, wenn sich der Katastrophenfall über Verwaltungsgrenzen hinweg ereignet.

Auf der anderen Seite besteht Bedarf an qualitativ hochwertigen homogenen und interoperablen Geoinformationen in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen. Für Geschäftsprozesse in Unternehmen ist es nicht wichtig, welche staatliche Stelle für eine bestimmte Information zuständig und verantwortlich ist. Entscheidend ist eine schnelle und einfache Zugänglichkeit zu den Informationen über Verwaltungsgrenzen hinweg in den erforderlichen Qualitäten, Auflösungen und Flächendeckungen. Besonders wichtig sind hier einheitliche Abgabebedingungen, Datenschutzbestimmungen und wirtschaftlich tragbare Preismodelle, die bestehende Geschäftsprozesse optimieren oder neue Geschäftsmodelle befördern helfen. Dies kann nur gelingen, wenn Geoinformationen, die je nach Branche von durchaus unterschiedlicher Herkunft und Beschaffenheit sein können, barrierefrei und wirtschaftsorientiert zur Verfügung gestellt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden seit einigen Jahren Anstrengungen zur Vereinheitlichung und zur besseren Zugänglichkeit von Geoinformationen unternommen. Auf Länder-, Bundes- und auf der europäischen Ebene werden Programme initiiert, die die Vernetzung von Geoinformationen beflügeln sollen.


Informationsplattform der Staatlichen Geologischen Dienste Deutschlands (InfoGEO)

Auf der geowissenschaftlichen Ebene stimmen sich die Fachbehörden der Länder sowie die BGR z.B. in Fragen der Formate, Harmonisierung von Daten und Erarbeitung von Standards ab. Eine Internet-Plattform für die gemeinsamen Produkte und Ergebnisse bildet www.infogeo.de. Dort werden Informationen und Anwendungen für die freie Nutzung angeboten. Sukzessive wird das Angebot erweitert, um einen zentralen Anlaufpunkt in Deutschland für geowissenschaftliche Fragestellungen zu etablieren.


Interministerieller Ausschuss für Geoinformationswesen (IMAGI)

Die Bundesregierung hat im Jahr 1998 den Interministeriellen Ausschuss für Geoinformationswesen (IMAGI) ins Leben gerufen, der alle erforderlichen Arbeiten auf Bundesebene koordiniert. Die BGR arbeitet von Anbeginn in den Arbeitsgruppen des IMAGI mit und unterstützt den Prozess zu einer bundesweiten Geodateninfrastruktur auch durch die Bereitstellung von Metadaten und Web-Diensten im Geoportal des Bundes.

Erste Ergebnisse können unter geoportal.bkg.bund.de betrachtet werden. Neben einer Geodatensuche, über die auch die Geodatenbestände der BGR recherchierbar sind, können in einer Kartenanwendung verschiedene Fachdaten betrachtet werden. Die BGR hat hier Web-Mapping Service (WMS) bereit gestellt.

Die Arbeiten der Bundesverwaltung fließen in die zukünftigen übergeordneten Geodateninfrastrukturen innerhalb Deutschlands (GDI-DE) und Europas (INSPIRE) ein.


Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE)

Am 27. November 2003 haben der Chef des Bundeskanzleramtes und die Chefs der Staatskanzleien den gemeinsamen Aufbau der Geodateninfrastruktur Deutschland beschlossen:

  • Der „Arbeitskreis der Staatssekretäre für eGovernment in Bund und Ländern“ wird gebeten, das Thema „Gemeinsamer Aufbau der Geodateninfrastruktur Deutschland durch Bund und Länder im Rahmen von eGovernment“ neben der Initiative Deutschland-Online zu übernehmen.
  • Zur fachpolitischen und konzeptionellen Steuerung der GDI Deutschland wird ein Lenkungsgremium eingerichtet.
  • Um das Angebot zielorientiert an der Nachfrage nach Geoinformationen in der GDI Deutschland auszurichten, wird dem Lenkungsgremium ein Beratungsgremium an die Seite gestellt, in dem maßgebliche Vertreter der Wirtschaft mitwirken (GIW-Kommission).

Mehr zum Thema GDI-DE finden Sie unter www.geoportal.de/DE/GDI-DE.

Infrastructure for Spatial Information in Europe (INSPIRE)

Auf der europäischen Ebene wird seit 2001 die Richtlinie zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft (Infrastructure for Spatial Information in Europe, INSPIRE (http://www.ec-gis.org/inspire/home.html)) erarbeitet, die am 13.2.2007 im Europäischen Parlament verabschiedet worden ist und bis März 2009 in nationales Recht umgesetzt werden musste. Parallel dazu werden in verschiedenen Experten-Teams Durchführungsbestimmungen erarbeitet, an deren Ausarbeitung die BGR auf unterschiedliche Weise beteiligt ist:

  • Als Legally Mandated Organization (LMO) kann die BGR die Entwürfe der Dokumente vorab kommentieren und in einem Review-Prozess Änderungen bewirken.
  • Als Mitglied von EuroGeoSurveys, die als Spatial Data Interest Community (SDIC) anerkannt sind, werden die europäischen Bedürfnisse abgestimmt und in den Review-Prozess eingebracht.
  • In den Thematic Working Groups Geology und Soil bringt die BGR die geowissenschaftlichen Anforderungen Deutschlands in Datenspezifikationen ein.

Global Earth Observation System of Systems (GEOSS)

Der Zehnjahres-Implementierungsplan von GEOSS bildet die international abgestimmte Arbeitsgrundlage der Group on Earth Observation (D-GEO, www.d-geo.de). Er wurde auf dem dritten Erdbeobachtungsgipfel am 16. Februar 2005 in Brüssel von Ministern und hohen Regierungsbeamten verabschiedet und basiert auf Vorarbeiten verschiedener Erdbeobachtungsinitiativen, wie z.B. IGOS, der Integrated Global Observing Strategy, oder CEOS, dem Committee for Earth Observing Satellites. Zahlreiche deutsche Einrichtungen, darunter die BGR und die GIW-Kommission, beteiligen sich unter Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dessen nationalem GEO-Sekretariat am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt an der Realisierung des globalen Systems der Systeme zur Erdbeobachtung.

Kontakt

    
Tanja Wodtke
Tel.: +49-(0)511-643-3455

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