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Metallsulfidvorkommen am Meeresboden – Deutsche Explorationslizenz im Indischen Ozean (INDEX)

Land / Region: Indischer Ozean

Projektanfang: 01.01.2011

Projektende: 05.05.2030

Projektstand: 21.01.2016

Die deutsche Industrie hängt zu 100 % vom Import von Metallrohstoffen ab. Insbesondere der Markt für Bunt- und Sondermetalle ist trotz einer zum Teil hohen Recyclingquote global hart umkämpft. Zu den Buntmetallen gehören u. a. Kupfer, Zink, Blei; Edel- und Sondermetalle wie Gold, Silber, Wismut, Selen, Tellur oder Indium bilden wesentliche Komponenten in elektronischen Bauteilen moderner technischer Produkte z. B. der Photovoltaik und in Geräten der modernen Telekommunikations- und Computerbranche. Eine dominierende Quelle für diese Metalle sind Massivsulfidlagerstätten, die – heute an Land weltweit im Abbau – mindestens seit 3,4 Mrd. Jahren am Meeresboden gebildet wurden. Diese Lagerstätten sind heute für mehr als 50 % der bisherigen globalen Zink- und Bleiproduktion verantwortlich; darüber hinaus haben diese Lagerstätten 7 % der Kupfer-, 18 % der Silber- und signifikante Anteile der Gold- und Spurenmetallproduktion geliefert.

Angesichts steigender Nachfrage und Rohstoffpreise gibt es einen verstärkten weltweiten Trend zur Erkundung potenzieller Rohstoffvorkommen am Meeresboden. Es existieren in den Weltmeeren zurzeit mehr als 300 Lokationen mit metallreichen Lösungsaustritten und Mineralausfällungen. Mehr als 100 Lokationen hiervon bilden aus hochtemperierten Austritten außerordentlich metallreiche Schlote, die sogenannten 'chimneys' oder auch 'black smoker'. Unterhalb dieser Schlote können sich große Metallsulfiderzkörper bilden. Diese 'hydrothermalen Vorkommen' sind an vulkanische Strukturen in den Weltmeeren gebunden. Allein 65 % der Vorkommen treten an mittelozeanischen Rücken auf, Nahtstellen in den Weltozeanen mit einer Gesamtlänge von mehr als 60 000 km, an denen stetig neue ozeanische Kruste entsteht. Die Anzahl der weltweiten Vorkommen und das Wissen um die potenzielle Größe und den Metallreichtum dieser Areale durch den Landabbau haben zu einem Regelwerk der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA), einer der drei Einrichtungen des Internationalen Seerechtsübereinkommens (SRÜ), geführt. Hierdurch wird die Möglichkeit des Erwerbs von Explorationslizenzen in den internationalen Gewässern unter genau einzuhaltenden Regularien eröffnet, die insbesondere auch den Schutz und Erhalt der Meeresumwelt betreffen. Im Juli 2014 wurde der im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gestellte Lizenzantrag der BGR für polymetallische Sulfide für eine Fläche von 10 000 km², aufgeteilt in 100 Blöcken mit 10 x 10 km Kantenlänge, im südwestlichen Indischen Ozean auf der Jahresversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) angenommen. Ein entsprechender Explorationsvertrag mit der ISA wurde im Mai 2015 unterzeichnet. Auf dieser Basis darf die BGR das Gebiet südöstlich von Madagaskar gezielt erkunden. Dazu gehören neben der konkreten Abschätzung des Rohstoffpotenzials auch umfangreiche Untersuchungen zum Schutz und Erhalt der marinen Umwelt. Die Lizenz hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Ziel der Erkundung ist es, mit Hilfe moderner rohstoffgeologischer Explorationstechniken Metallsulfidvorkommen zu identifizieren, die an den Austrittsstellen ehemals aktiver heißer Quellen am Meeresboden („schwarze Raucher“) entstanden sind.

Damit setzt die BGR ihre im Jahre 2011 begonnenen Erkundungsarbeiten für polymetallische Sulfide im Indischen Ozean fort.
Die Schiffsexpedition (INDEX2015) zu den sulfidischen Ablagerungen im Indischen Ozean fand Ende 2015 statt. Arbeitsplattform war das niederländische Forschungsschiff RV PELAGIA. Das Ziel der Arbeiten war die Identifikation ehemals aktiver Metallsulfidvorkommen entlang des südlichen Zentralindischen Rückens mit Hilfe moderner rohstoffgeologischer Explorationstechniken. Zum Einsatz kamen neben geophysikalischen Methoden (CSEM, Magnetik) auch abbildende Verfahren wie Sidescan. Außerdem war u. a. erneut der Sensorschlitten zum Einsatz gekommen, der die Bestimmung wichtiger Parameter aus dem Umfeld von Sulfidvorkommen erlaubte und gleichzeitig Umweltdaten aus der Wassersäule bestimmte. Die Bestandsaufnahme der Artenvielfalt und Besiedlungsdichte der Bodenorganismen hatte wie bei allen vorangegangenen Ausfahrten eine zentrale Rolle eingenommen. Diese Arbeiten wurden durch Biologen vom Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung am Senckenberg-Institut (Wilhelmshaven) durchgeführt. Ein weiterer Partner war das kanadische Zentrum für Unterwasserforschung (CSSF), das mit ROPOS einen Unterwasserroboter (ROV) für Beprobungseinsätze stellte. Weiterhin waren Wissenschaftler aus Kiel, Bremen, Hamburg, sowie Ontario/Kanada und Seattle/USA an Bord. Zusätzlich hatten im Rahmen eines Ausbildungsprogramms der ISA erstmalig zwei Praktikanten aus Entwicklungsländern an der Fahrt teilgenommen.
Zur Zeit findet die Schiffsexpedition 2016 mit einem französischen Forschungsschiff statt. Ziel dieser Expedition ist die Erkundung des Südostindischen Rückens, der wesentlich weiter südlich liegt. Durch die frühe Fahrt im Jahr werden zum einen die Umweltuntersuchungen in eine andere Saison gelegt. Dies ist wichtig, um eventuelle saisonale Unterschiede z.B. der Biomassen-Verteilung zu erfassen. Zum anderen erhoffen wir uns gute und stabile Wetterbedingungen für die Arbeiten im südlichen Teil des Lizenzgebietes.

Newsletter Marine Rohstoffe 2016


Projektbeiträge:

Kontakt:

    
Dr. Ulrich Schwarz-Schampera
Tel.: +49-(0)511-643-2232
Fax: +49-(0)511-643-3664

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