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11/05: Hildesheimer Schwarzerde

Das Sammlungsobjekt des Monats

Lackprofil einer Pseudogley-Schwarzerde mit Erläuterung der Bodenhorizonte; Alte Tongrube Asel (Hildesheimer Börde; TK25 3725 Sarstedt)Lackprofil einer Pseudogley-Schwarzerde mit Erläuterung der Bodenhorizonte; Alte Tongrube Asel (Hildesheimer Börde) Quelle: LBEG; Foto: Ernst Gehrt

Die Schwarzerde ist ein besonderer Boden

Schwarzerden haben einen 50 bis 70 cm mächtigen schwarzen A-Horizont der stark mit Poren und Wühlgängen von Bodentieren durchsetzt ist. Die A-Horizonte häufig mit ca. 25 bis 30 % Tongehalt tonreicher als die darunter folgenden Horizonte. Dies liegt an einer stärkeren Verwitterung der Lösse. Das Schwarzerde von Asel ist der einzige Boden mit dem Schutzstatus Naturdenkmal in Niedersachsen.

In Deutschland finden sich Schwarzerden zum Beispiel in der Hildesheimer und Magdeburger Börde und im Thüringer Becken. Außerdem ist er der typische Boden der kontinentalen russischen, ukrainischen und kasachischen Steppengebiete sowie der nordamerikanischen Prärien.

Anlässlich des alljährigen Weltbodentages am 5. Dezember 2004 wurde die Schwarzerde als Boden des Jahres 2005 ausgerufen. Für die Schwarzerde sprachen mehrere Punkte:

  • Schwarzerden sind schon seit dem vorletzten Jahrhundert als hochwertige, fruchtbare Böden mit guter Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit und einem stabilen Bodengefüge bekannt. Die Schwarzerden werden daher überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
  • Die Schwarzerde ist gefährdet:
    o Überbauung führt zu einem deutlichen Flächenverlust.
    o Die typischen höheren Tongehalte führen bei intensiver Nutzung zur Bodenverdichtung.
    o Die Schwarzerden sind in Hanglagen aufgrund ihrer langen Nutzung häufig erodiert.
  • Die Schwarzerde erfüllt aufgrund des hohen Alters von 3.000 bis 7.000 Jahren vor heute eine wichtige Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
  • In Mitteleuropa sind Schwarzerden aufgrund des nur inselhaften Auftretens und nur lokaler Erhaltung selten.

Die Entstehung ist anders als bisher gedacht

Nach der bisherigen Lehrmeinung entwickelt sich die Schwarzerde in kontinentalen Steppen mit warmen Sommern und kalten Wintern. Durch die intensive Tätigkeit von Bodentieren wie z. B. dem Regenwurm werden die Humusstoffe in den Boden eingearbeitet. Diese Theorie der Entstehung kann nicht aufrechterhalten werden:

  • Die heutige Bindung der Schwarzerden an die Steppen zeigt die Erhaltungs- aber nicht die Bildungsbedingungen. So finden sich auch in der Taiga Böden mit Schwarzerdevergangenheit. Die 14C-Alter von Schwarzerden sind mit 3.000 bis 7.000 Jahren vor heute sehr hoch. Die Umsatzrate der organischen Substanz ist nach ökologischen Untersuchungen in der Steppe mit 30 bis 100 Jahren dagegen nur kurz. Die Bioturbation ist mit Wühlgängen (Krotowinen) zwar ein deutliches Profilmerkmal, eine vollständige Durchmischung der Humushorizonte wurde damit aber nicht erreicht. Die Einwaschung und Verlagerung der organischen Substanz ist damit wichtiger als die Durchmischung.
  • Nach heutigem Kenntnisstand sind Schwarzerden schwarz, da sie deutliche Anteile (10-40 % der organischen Substanz) kondensierter, aromatischer Kohlenstoffe enthalten. Diese entstehen bevorzugt bei Verbrennung und werden auch als black carbon bezeichnet. In Mitteleuropa ist eine enge Beziehung zu den neolithischen Brandkulturen vorhanden. So wurde in Seesedimenten und Mooren insbesondere in der mittleren und späten Jungsteinzeit viel Holzkohleeintrag nachgewiesen. Die 14C-Datierungen ergeben vielfach ein neolithisches oder etwas jüngeres Alter. Die Verbreitung der Schwarzerden ist eng an die neolithischen Siedlungskammern gebunden. In der Detailkartierung ist eine auf wenige Dekameter genaue Bindung nachzuweisen.

Weitere Informationen:

  • Böden in Niedersachsen
  • Roeschmann, G. (1968): Pseudogley-Tschernoseme und deren Übergangsbildungen zu Parabraunerden im Lößgebiet der Hildesheimer Börde.- Geologisches Jahrbuch 85: 841-860; Hannover.
  • Schmidt, M.W.I., Skjemstad, J.O., Gehrt, E. & Kögel-Knabner, I. (1999): Charred organic carbon in German chernozemic soils. - European Journal of Soil Science, °50: 351-365.
  • Gehrt E., Geschwinde M. und Schmidt M.W.I. (2002): Neolithikum, Feuer und Tschernosem oder - Was haben die Linienbandkeramiker mit der Schwarzerde zu tun? - Archäologisches Korrespondenzblatt 32, 21-30, 2002.
  • Gehrt, E. (2005): Synopse zur Anthropogenese der mitteleuropäischen Schwarzerden.- Mitteilungen Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (im Druck).

Übrigens: Die BGR unterhält Sammlungen in Berlin und Hannover, hier in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Sie gehören zu den großen geowissenschaftlichen Sammlungen in Deutschland.

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Kontakt

    
Dr. Ernst Gehrt
Tel.: +49-(0)511-643-3601
Fax: +49-(0)511-643-533601
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