Tiefe Geothermie

Die BGR beteiligt sich an Forschungs- und Demonstrationsprojekten zur Entwicklung der tiefen Geothermie. Dabei bearbeitet sie unter anderem geologische und geophysikalische Fragestellungen. Zudem erforscht sie Optionen zur Lithium-Gewinnung aus den Thermalwässern.

Abteufen der GeneSys-Geothermiebohrung auf dem Gelände des Geozentrums in Hannover
Abteufen der GeneSys-Geothermiebohrung auf dem Gelände des Geozentrums in Hannover

Motivation

Der Mensch nutzt von alters her die Wärme der Erde dort, wo oberflächen­nah hohe Tempe­raturen auftreten, zum Beispiel für Bade­zwecke oder zum Kochen. Un­ab­hängig von der Tiefe, aus der die Erd­wärme gewonnen wird, kann diese rund um die Uhr genutzt werden. Dies ist ein wesent­licher Vor­zug gegen­über ande­ren witterungs­abhängigen er­neuer­baren Energie­quellen.

Es müssen keine hohen Tempe­raturen im Unter­grund vor­herrschen, um Erd­wärme nutzen zu können. In Deutsch­land und in vielen ande­ren Ländern dient der flache Unter­grund zuneh­mend als Wärme­quelle für die Gebäude­heizung. Hierfür werden über­wiegend Erd­wärme­sonden bis in Tiefen von etwa 100 Meter gebohrt. Die Nutzung heißer Gesteine und heißer Wässer aus großen Tiefen (tiefe Geo­thermie) ist tech­nisch auf­wendiger und risiko­behafteter, aber auch ener­getisch lohnens­werter als die Wärme­nutzung aus dem ober­flächen­nahen Unter­grund.

Aktivitäten der BGR

Im Rahmen von Forschungs­projekten trägt die BGR zur Entwicklung der tiefen Geo­thermie in Deutsch­land bei und berät politische Institu­tionen, Energie­versor­ger sowie sonstige Inter­essenten im Hin­blick auf geo­thermische Nutzungs­möglichkeiten. Im Vorder­grund der Untersuchungen der BGR steht aktuell die mittel­tiefe Geo­thermie mit Tiefen bis ca. 2.500 m, da bis zu dieser Tiefe verstärkt geo­thermische Pro­jekte in Deutschland umgesetzt werden. (Die mitteltiefe Geothermie wird hier insgesamt zur tiefen Geothermie zugerechnet). Regional bildet das Nord­deutsche Becken mit seinem großen uner­schlossenen Potenzial einen Schwer­punkt.

Die BGR führt geolo­gische, geo­physi­kalische und geo­chemische Unter­suchun­gen zu den Nutzungs­mög­lich­keiten der tiefen Geo­thermie durch. Wesent­liche Daten­grundlagen sind hierfür Bohr­berichte, Bohrloch­messungen und weitere Unter­suchungen im Zusammen­hang mit ehemaligen Öl- und Gas­bohrungen. Es werden konzep­tionelle Reservoir­modelle erstellt sowie Simulations­rechnungen zur Thermal­wasser­strömung und zum Wärme­transport im Untergrund durch­geführt. Neben der Wärme­gewinnung wird auch die Wärme­speicherung in tief­liegenden Aqui­feren unter­sucht. Zudem werden tech­nische Aspekte der Erschlie­ßung und Nutzung von tiefer Erd­wärme sowie neu­artige Nutzungs­konzepte be­trach­tet und be­wertet.

Im Raum Hannover unterhält die BGR zwei eigene Tief­bohrungen, an denen die Nutzung der tiefen Geo­thermie exemplarisch für die Verhältnisse im Nord­deutschen Becken unter­sucht wird.

Die Aktiv­itäten der BGR beschränken sich nicht auf Deutsch­land. So unterstützt die BGR Entwicklungs­länder bei der Einfüh­rung und Nutzung der Geo­thermie. In diesem Rahmen sind Wissen­schaft­lerinnen und Wissen­schaftler der BGR in Entwicklungs­ländern mit günstigen geo­thermi­schen Bedingungen tätig. Im Fokus der fach­lichen Arbeit stehen dabei die geo­wissen­schaftliche Erkun­dung und Bewer­tung von geo­thermischen Ressourcen. Weitere Informationen dazu sind hier zu finden.

Aktuelle Projekte

Warm-Up — Geothermie für die Wärmewende: Flankierung des Rollouts der mitteltiefen Geothermie in Deutschland

Start: 01.10.2022
Ende: 31.08.2026

ThermoOptiPlan — Optimierung der Planung und des Betriebs von Geothermiesystemen

Start: 01.01.2025
Ende: 31.12.2027

BRIDGE — Deutsch-Chilenisches Institut für Rohstoffgewinnung aus Fluiden und integrative geologische Reservoirmodellierung

Start: 01.02.2025
Ende: 31.01.2028

Tiefe Geothermie in Deutschland

Untersuchung des Untergrundes für zukünftige geothermische Nutzung - Vibrotrucks für seismische Messkampagne in Hannover im Frühjahr 2025
Untersuchung des Untergrundes für zukünftige geothermische Nutzung - Seismische Messkampagne in Hannover im Frühjahr 2025

Die Erd­wärme­nutzung gewinnt sowohl welt­weit als auch in Deutsch­land an Be­deutung. Große geo­thermische An­lagen befinden sich in Deutsch­land vor­wiegend im Raum München, im so­genannten Süd­deutschen Molasse­becken, wo der tiefe Unter­grund günstige Gesteins­durch­lässig­keiten für das zu fördernde heiße Ther­mal­wasser aufweist. Aber auch im Ober­rhein­graben und im Nord­deutschen Becken werden Geo­thermieanlagen betrieben, die Thermal­wasser aus Tiefen von etwa 2.000 bis 4.000 Meter fördern. Die großen Geo­thermie­anlagen in Deutsch­land dienen über­wiegend der Nah- und Fern­wärme­ver­sorgung, in einigen Fällen aber auch der Strom­erzeugung.

Die Verfügbarkeit von Wärmepumpen für große thermische Leistungen (> 1 Megawatt) ermöglicht seit Kurzem die Nutzung von geothermischen Reservoiren mit relativ geringer Temperatur und Tiefenlage (ab ca. 40°C und ca. 1.000 m Tiefe). Diese Entwicklung sowie Kosten- und Risikoaspekte begründen maßgeblich die verstärkte Aufmerksamkeit für die mitteltiefe Geothermie.

Lithiumgewinnung aus geothermischen Wässern

Lithium ist ein essenzieller Rohstoff für die Herstellung von Batterien, insbesondere für die Elektromobilität und die Speicherung erneuerbarer Energien. Da geothermische Wässer in vielen Regionen Deutschlands, vor allem im Oberrheingraben und Norddeutschen Becken, erhebliche Mengen an gelöstem Lithium enthalten, rückt die Kopplung von Geothermie und Rohstoffgewinnung verstärkt in den Fokus von Forschung und Industrie.

Die Kombination aus Energiegewinnung und Rohstoffextraktion könnte die Wirtschaftlichkeit geothermischer Anlagen erheblich verbessern und zugleich eine heimische Alternative zu herkömmlichen Lithium-Abbaumethoden bieten. Aktuelle Forschungsprojekte untersuchen verschiedene Sorptions- und Extraktionsverfahren, um Lithium effizient aus den geförderten Thermalwässern zu gewinnen, ohne dabei die geothermische Energieproduktion zu beeinträchtigen. Die BGR verfolgt diesen Ansatz in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen und Industriepartnern, um das Potenzial dieser Technologie für den deutschen Markt zu bewerten.

Ihre
Ansprechperson

Dr. Torsten Tischner

Telefon: 0511 643-2475

Torsten.Tischner@bgr.de

Dr. Franz May

Telefon: 0511 643-3784

Franz.May@bgr.de