Antarktis
Als Mitunterzeichner des Antarktisvertrages hat sich die Bundesrepublik Deutschland zu einer ausschließlich friedlichen Nutzung des Gebietes südlich des 60. Breitengrades verpflichtet. Die von der BGR durchgeführten Expeditionen sowie ihre Beteiligung an internationalen Forschungsvorhaben in der Antarktis tragen mit dazu bei, dass die Bundesrepublik Deutschland seit 1981 der Runde der Konsultativstaaten angehört und dieser Status erhalten werden kann.
Der Kontinent Antarktika spielt eine zentrale Rolle im Erdsystem. Vor etwa 180 Millionen Jahren begann er, sich aus dem Verband des ehemaligen Superkontinentes Gondwana und den ihn umgebenden heutigen Landmassen von Afrika, Indien, Neuseeland, Australien und Südamerika abzulösen. Erst diese Trennung führte zur isolierten Lage des Kontinents am Südpol und zur Entstehung der heutigen Ozeanströmungssysteme, die einen entscheidenden Einfluss auf das globale Klimasystem und die Vereisung der Antarktis haben.
Die geologische Entwicklung der Antarktis ist immer noch wenig verstanden, da sie mit einem Anteil von etwa 10 % der kontinentalen Kruste der Erde zum großen Teil unter den dicken west- und ostantarktischen Eisschilden verborgen liegt. Die Ergebnisse der internationalen Antarktisforschung der letzten Jahre, unter anderem durch die BGR und ihre Kooperationspartner, haben jedoch gezeigt, dass sie weit komplexer ist als früher angenommen. Ein besseres Verständnis des antarktischen Kontinents und seiner Ränder trägt hierbei essentiell zur Entschlüsselung der komplexen Wechselwirkungen zwischen der Lithosphäre, Kryosphäre, Hydrosphäre, Atmosphäre und Biosphäre in der Antarktis wie auch ihren globalen Einflüssen bei.
Aktuelle Projekte
Mit langfristigen Forschungsprogrammen untersucht die BGR die Antarktis seit 1979. Der Fokus liegt auf der Ostantarktis und dem Transantarktischen Gebirge. Dort führt die BGR seit 1979 das Forschungsprogramm GANOVEX durch. Als logistische Basis für die wissenschaftlichen Arbeiten dient der BGR seit 1983 die Gondwana-Station an der im Rossmeer gelegenen Terra-Nova-Bucht. Sie zählt heute zu den Forschungsstationen mit einem sehr kleinen ökologischen Fußabdruck.
Das zweite große Forschungsprogramm der BGR hat seinen Schwerpunkt auf der Kontinentalmasse der Ostantarktis, insbesondere im Dronning Maud Land, welches auf der dem Rossmeer gegenüberliegenden Seite im atlantischen und indischen Sektor der Antarktis liegt. GEA ist ein Gemeinschaftsprogramm mit dem Alfred-Wegener-Institut als Mitorganisator und verschiedenen Partnern aus der nationalen und internationalen Antarktisforschung. Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Krustenentwicklung und der Krustenstruktur der Ostantarktis sowie die Entstehung der heutigen Antarktis mit ihrer isolierten Landmasse am Südpol der Erde. GEA schließt an eine Reihe früherer Projekte an, die seit den 1990er-Jahren in verschiedenen Regionen der Ostantarktis durchgeführt wurden. Kooperationspartner waren damals und sind bis heute neben dem AWI die Antarktisforschungsprogramme mehrerer Staaten sowie Forschungsinstitutionen und Universitäten des In- und Auslandes. Es ist geplant, das GEA-Programm auf weitere Regionen der Ostantarktis auszudehnen.
Die bis zu 98 % betragende Eisbedeckung der Antarktis sorgt dafür, dass der größte Teil des Kontinents für direkte geologische Untersuchungen unzugänglich ist. Daher sind die einzigen Möglichkeiten, an Informationen über die Subeis-Geologie zu gelangen, geophysikalische Methoden sowie die Untersuchung von Material, welches durch Gletscher aus dem Inland transportiert wurde, oder die Gewinnung von geologischen Bohrkernen. Die BGR war und ist daher maßgeblich an internationalen Bohrprojekten in der Antarktis beteiligt oder plant in enger Abstimmung mit dem AWI einen eigenen Bohrvorschlag nach mehrjährigen Voruntersuchungen. Durch die Untersuchung von Gesteins- oder Sedimentkernen können so weitere Informationen über die Aufbruchsgeschichte Gondwanas und die Gesteinszusammensetzung im eisbedeckten antarktischen Hinterland, die Entwicklung der antarktischen Landschaft sowie über vergangene Klima- und Umweltveränderungen gewonnen werden.