Der BGR-Hubschrauber beim Start zu einem Messflug. Die Messsonde wird an einem Seil in etwa 40 Meter Höhe über den Boden geschleppt.
Der BGR-Hubschrauber beim Start zu einem Messflug. Die Messsonde wird an einem Seil in etwa 40 Meter Höhe über den Boden geschleppt.

Deutschland ist auf eine sichere Versorgung mit wirtschaftsstrategischen Rohstoffen angewiesen. Im Forschungsprojekt DESMEX-MinD entwickelt ein Verbund aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Geologischen Diensten und Unternehmen neue Verfahren zur Erkundung mineralischer Rohstoffe. Vom 12. bis 14. August 2026 führt das Forschungsteam für dieses Vorhaben mit dem Hubschrauber der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und einer Flugsonde geophysikalische Messungen im Oberharz durch.

Die geplanten fünf Messflüge, die vom Flugplatz Hildesheim aus starten, überdecken ein etwa 100 km2 großes Untersuchungsgebiet im Raum Lautenthal. Die Untersuchungen dienen dazu, hochauflösende Daten über den Untergrund zu gewinnen und damit die Entwicklung innovativer Explorationsmethoden zur Gewinnung von mineralischen Rohstoffen voranzutreiben. Das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) koordiniert bei der Forschungskampagne die gleichzeitig durchgeführten bodengebundenen Messungen und übernimmt eine zentrale Rolle bei der Integration der geophysikalischen Datensätze. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) erstellt von den untersuchten Gebieten des Oberharzes ein geologisches 3D-Modell, das für die Interpretation der geophysikalischen Daten benötigt wird.  

Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 3,8 Millionen Euro bis 2029 geförderte Verbundprojekt DESMEX-MinD wird von der Universität Münster koordiniert. Am Vorhaben sind neben der BGR, dem LIAG und dem LBEG auch das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT), die Technische Universität Bergakademie Freiberg sowie Unternehmen aus der Industrie beteiligt.

Einsatz innovativer elektromagnetischer Verfahren aus Vorgängerprojekten

Die Messkampagne baut auf den erfolgreichen Vorgängerprojekten DESMEX, DESMEX II und DESMEX-REAL auf.  Dort wurde die neuartige semi-airborne Elektromagnetik (sAEM) entwickelt und erfolgreich erprobt. Mit den am LIAG entwickelten Auswerteverfahren wurden aus den gemessenen sAEM-Daten bereits dreidimensionale Modelle der elektrischen Leitfähigkeit erstellt. Diese können Hinweise auf Vererzungen im Untergrund geben (Video). Im Harz kommt nun ergänzend das bewährte hubschraubergestützte elektromagnetische Messsystem (HEM) der BGR zum Einsatz.

Beide Verfahren nutzen das Prinzip der elektromagnetischen Induktion, um die elektrische Leitfähigkeit des Untergrunds zu messen. Da unterschiedliche Gesteine elektrische Signale unterschiedlich gut leiten, lassen sich daraus Rückschlüsse auf geologische Strukturen und mögliche Rohstoffvorkommen ziehen. Beim sAEM-Verfahren werden elektrische Signale über am Boden ausgelegte Kabel in den Untergrund eingespeist. Die dadurch erzeugten elektromagnetischen Felder werden mit hochempfindlichen Sensoren gemessen, die in einer Flugsonde unter einem Hubschrauber in etwa 50 bis 70 Metern Höhe mitgeführt werden. Auf diese Weise können geologische Strukturen bis in Tiefen von rund 1.000 Metern untersucht werden. Beim jetzt im Oberharz eingesetzten HEM-Verfahren befinden sich sowohl Sender als auch Empfänger gemeinsam in der Flugsonde. Das Verfahren erreicht zwar geringere Erkundungstiefen von bis zu etwa 150 Metern, liefert dafür aber hochauflösende Informationen über den oberflächennahen Untergrund. Die HEM-Messungen ergänzen und überprüfen die Ergebnisse der bisherigen sAEM-Untersuchungen und tragen so zu einem noch genaueren dreidimensionalen Modell des Untergrunds bei. Dieses bildet eine wichtige Grundlage, um potenzielle Rohstoffvorkommen besser zu identifizieren.

Darüber hinaus entwickelt das Forschungsteam im Rahmen des Projekts DESMEX-MinD moderne Verfahren zur Datenverarbeitung weiter. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz künstlicher Intelligenz, um geophysikalische, geologische und mineralogische Daten noch effizienter auszuwerten und die Ergebnisse besser für die industrielle Rohstoffexploration nutzbar zu machen.

Weitere Untersuchungen im Erzgebirge und Vogtland

Eine weitere Befliegung wird im September im Erzgebirge und im Vogtland mit dem sAEM-Verfahren stattfinden. In beiden Messgebieten werden begleitend auch bodengeophysikalische Messungen durchgeführt.

Der Oberharz und das Erzgebirge zählen zu bedeutenden historischen Bergbauregionen Deutschlands. Aufgrund ihres geologisch komplexen und rohstoffreichen Untergrunds eignen sich beide Regionen hervorragend als Forschungsgebiete für DESMEX-MinD. Im Projekt werden geophysikalische Messdaten mit geologischen und geochemischen Informationen verknüpft, um ein umfassendes Verständnis der dortigen Mineralsysteme zu gewinnen.

Weiterführende Informationen zum Projekt

BGR-Webseite: https://www.bgr.bund.de/DE/BGR/Wissenschaftliche-Infrastruktur/Geophysik/Aerogeophysik/Projekte/laufend/DESMEX-MinD/DESMEX-MinD.html

Universität Münster: http://www.uni-muenster.de/DESMEX/

Ihre
Ansprechperson

Fachlicher Kontakt BGR

Dr. Annika Steuer

Telefon: 0511 643-2148

Annika.Steuer@bgr.de

Einsatzleitung am Flugplatz Hildesheim

Hauke Petersen

Telefon: 0511 643-2870
, Mobiltelefon: 0151 12150091

Hauke.Petersen@bgr.de

Pressesprecher BGR

Andreas Beuge

Telefon: 0511 643-2679
, Mobiltelefon: 0170 8569662

Andreas.Beuge@bgr.de