Wirtsgestein Ton

Für die Umsetzung des Standortauswahlgesetzes sind detaillierte Informationen zur Entstehung, Zusammensetzung und zu den Eigenschaften von potentiell als Wirtsgestein geeigneten deutschen Tonen und Tonsteinen notwendig.

Die Endlagerung der hochradioaktiven Abfallstoffe Deutschlands soll in einem Bergwerk erfolgen, das für diesen Zweck in einer Teufe zwischen 300 und 1.500 m aufgefahren werden soll. Dieses Endlager soll neben der geologischen Barriere auch über technische und geotechnische Barrieren verfügen (Multibarrieresystem) und dadurch den bestmöglichen Schutz der Biosphäre vor der durch die Abfälle ausgehenden ionisierenden Strahlung für einen Zeitraum von einer Million Jahren ermöglichen. Das Standortauswahlgesetz, das den für die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle maßgeblichen Rahmen setzt, nennt Tonstein als eines von drei möglichen Wirtsgesteinen (neben Salz und Kristallin) für ein Endlager.

Tonminerale und die durch sie gebildeten Böden, Tone und Tonsteine stellen auf der einen Seite eine wertvolle Ressource dar, auf der anderen Seite finden diese vielfach Verwendung als geologische Barriere. Daher befasst sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) intensiv mit diesen Geo-Materialien und ihren Anwendungsmöglichkeiten, wobei substantielle Anteile dieser Aktivitäten im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) sowie Beratung & Dienstleistung (B&D) die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle betreffen. Günstige Barriereeigenschaften besitzen Tone und Tonsteine aufgrund ihrer grundsätzlich geringen Permeabilität bzw. Gebirgsdurchlässigkeit, der für sie teilweise typischen Plastizität sowie ihrer chemischen Pufferwirkung und Rückhaltekapazität für Radionuklide.

Die Tätigkeiten der BGR im Bereich Endlagerforschung widmen sich Standorten, an denen sich bereits radioaktive Abfälle befinden bzw. zukünftig endgelagert werden könnten. Darüber hinaus trägt die BGR durch ihr Engagement in internationalen Kooperationen (z. B. Felslabore Meuse/Haute-Marne am Standort Bure und Mont Terri in der Schweiz) zu einem grundlegenden Verständnis potentiell als Wirtsgestein geeigneter Tonsteine und der verschiedenen Barrieren eines Endlagersystems bei. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl durch Übersichtsstudien als auch in Fachberichten und durch die Publikation von begutachteten Artikeln in Fachzeitschriften der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Um neu aufkommende Fragestellungen und Themenkomplexe zu identifizieren, tauschen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der BGR regelmäßig mit der internationalen und nationalen Fachgemeinschaft über den Stand von Wissenschaft und Technik mit Blick auf die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle und des deutschen Standortauswahlverfahrens aus. Durch ihre skalenübergreifenden Forschungstätigkeiten trägt die BGR zu einem besseren Verständnis des Wirtsgesteins Tonstein bei und unterstützt damit die Suche nach einem Standort für hochradioaktive Abfälle in Deutschland.

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Ansprechperson

Dr. Tilo Kneuker

Telefon: 0511 643-2492

Tilo.Kneuker@bgr.de

Dr. Thomas Mann

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Thomas.Mann@bgr.de