Datenzentrum und Stationsbetrieb

Die BGR betreibt ein Datenzentrum für seismologische und Infraschall-Aufzeichnungen. Die Infrastruktur des Datenzentrums wird sowohl für die Daten des Erdbebendienstes des Bundes (EdB) als auch für die im Rahmen des Kernwaffenteststopps (CTBT) erhobenen Daten verwendet.

Das Datenzentrum der BGR beinhaltet Daten eigener Stationen und Daten von Kooperationspartnern (deutsche Universitäten und Ländereinrichtungen).

Dabei geht es um drei verschiedene Arten von digitalen Datensätzen:

  • Kontinuierliche Wellenformdaten, d. h. Aufzeichnung der Bodenbewegung an den Messstandorten ,bzw. des Luftdrucks bei Infraschallstationen.
  • Die Stationsstandorte beschreibende Daten, d. h. deren Lokation und technische Ausstattung (Stationsdatenbank).
  • Ereignisdaten, d. h. aus den Wellenformdaten gewonnene Informationen über Erdbeben und andere seismische Ereignisse (Deutscher Erdbebenkatalog)

Datenzentrum


Der Datensatz kontinuierlicher Wellenformdaten reicht für einzelne Messstandorte bis ins Jahr 1976 zurück. Inzwischen (Stand 2025) umfasst er etwa 290 Stationen in Deutschland mit einer Gesamtdatenmenge von etwa 60 TeraByte. Der Datenbestand stellt eine zentrale Basis für die seismologischen Forschungs- und Beratungsaufgaben der BGR und ihrer Kooperationspartner dar und dient zudem als Datenbasis für die seismologische Forschung anderer Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Damit stellt die BGR den deutschen Beitrag zur globalen Erdbeobachtung in der Seismologie sicher. Fast alle hier beschriebenen Daten sind frei zugänglich und im europäischen Verbund (EIDA - European Integrated Data Archive) vereint, in dem auch das Datenzentrum der BGR integriert ist.

Der Erdbebendienst des Bundes an der BGR betreibt vier seismologische Stationsnetze und Arrays in Deutschland (siehe interaktive Karte):

  • Das Deutsche Seismologische Regionalnetz (German Regional Seismic Network - GRSN) umfasst gegenwärtig mehr als 30 über Deutschland verteilte Breitbandstationen. Dieses nationale Netz wird in Zusammenarbeit mit den deutschen Universitäten, dem Geoforschungszentrum Potsdam und den Landeserdbebendiensten betrieben.
  • Das Gräfenberg-Array (GRF) besteht aus 13 Breitbandstationen in der Fränkischen Alb. Es hat eine Ausdehnung von circa 100 Kilometern in Nord-Süd- und circa 40 Kilometern in Ost-West-Richtung.
  • Das GERES-Array besteht aus 25 kurzperiodischen Stationen und zwei Drei-Komponenten Breitbandstation auf vier konzentrischen Kreisen mit einem maximalen Durchmesser von circa vier Kilometern. Das Array ist im Gebiet des Sulzbergs im Bayerischen Wald installiert.
  • Das GQ-Netz befindet sich um Aufbau und soll mittels kurzperiodischer Sensoren das Seismometernetz in Deutschland komplementieren, d. h. die Gebiete abdecken, in denen keine Seismometer stehen. Ziel ist es, Nahfeldregistrierungen für Erschütterungen an jedem beliebigen Ort in Deutschland zu erhalten.

Außerdem sind Daten folgender Netze über das Datenzentrum der BGR verfügbar:

  • GR: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, doi: 10.25928/mbx6-hr74
  • BQ: Seismologisches Netzwerk des Observatoriums Bensberg der Universität Köln, doi: 10.7914/SN/BQ
  • HS: Hessischer Erdbebendienst, doi: 10.7914/SN/HS
  • TH: Thüringer seismologisches Netz, doi: 10.7914/SN/TH
  • SX: Sachsennetz, doi: 10.7914/SN/SX
  • RN: Seismologisches Netzwerk der Ruhr-Universität Bochum, doi: 10.7914/SN/RN
  • KQ: Seismologisches Netzwerk der Universität Kiel, doi: 10.7914/SN/KQ
  • LE: Erdbebendienst Südwest Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, doi: 10.7914/SN/LE

Zugriff auf die Inhalte des Datenzentrums

Für die drei oben beschriebenen Datentypen gibt es international standardisierte Webdienste (siehe hierzu die Webseiten der weltweit agierenden Organisation FDSN – Federation of Digital Seismograph Networks). Diese Dienste sind frei zugänglich und erlauben einen automatisierten Zugriff oder Datenaustausch. Eine interaktive Schnittstelle für den Datenabruf (in Englisch) wird innerhalb des EIDA-Verbundes angeboten. Auch lassen sich Tagesdarstellungen von fast allen GRSN-Stationen hier generieren.

Der BGR-Webdienst zum Abruf von Ereignisdaten (Deutscher Erdbebenkatalog) befindet sich momentan im Aufbau und wird in 2025/2026 verfügbar sein. Bis zu dessen Fertigstellung gibt es für den Zugriff unter obigem Link eine nicht standardisierte Schnittstelle.

Weitere Informationen zum Datenzugriff sind auf der EIDA-Webseite der BGR zu finden.

Ihr
Kontakt

Dr. Lars Ceranna

Telefon: 0511 643-2252

Lars.Ceranna@bgr.de