IODP3 - Das Programm

IODP3 ist eine internationale Forschungskommunikation zur Erkundung der Bereiche unter den Meeresböden durch Tiefbohrungen unter der gemeinsamen Leitung von ECORD (einschl. Deutschland) und Japan. Das Programm hat Anfang 2025 begonnen und baut auf den früheren wissenschaftlichen Ozean-Bohrprogrammen: DSDP 1968-1983, ODP 1985-2003, IODP 2003-2013, und IODP 2013-2024 auf. Diese Bohrprogramme förderten die Erforschung von bislang unzugänglichen Bereichen des Meeresbodens und von bisher kaum verstandenen Vorgängen bei der Entwicklung unseres Planeten. Die weiterhin breitangelegte internationale Kooperation im neuen IODP3 ermöglicht weiterhin eine Forschung auf höchstem wissenschaftlichen und technologischen Niveau.

Obwohl die Ozeane im Rahmen der großen Ozean-Bohrprogramme seit über 50 Jahren intensiv erforscht werden, sind viele Fragen immer noch unbeantwortet. Diese sind zum Teil von hoher gesellschaftlicher und ökonomischer Relevanz. Die wachsende Erdbevölkerung, der Klimawandel, der steigende Bedarf an Rohstoffen und die großen Risiken von Naturkatastrophen, wie Erdbeben und Tsunamis, erfordern ein besseres Verständnis des Systems Erde. Diesem Verständnis dient das IODP3

Struktur von IODP3

IODP3 wird aktuell von zwei Kernmitgliedern (core members) gesteuert. Diese sind Japan und ECORD. Deutschland ist eines von aktuell 14 Mitgliedsländern von ECORD. Weitere Information zu ECORD finden Sie auf der ECORD-Website. Darüber hinaus laufen Verhandlungen mit anderen Ländern und Konsortien, um weitere Partner als assoziierte Mitglieder (associate members) zu gewinnen. Das ANZIC Konsortium bestehend aus Australien und Neuseeland konnten bereits jüngst als assoziierte Partner gewonnen werden. Die aktuelle Struktur des neuen IODP3 ist der untenstehenden Abbildung zu entnehmen. Das übergeordnete Gremium in der IODP3-Struktur ist das IODP3-Executive Board (ExB). Hier werden allgemeine Fragen zum Bohrprogramm diskutiert und es wird über die Aufgaben der anderen Gremien beraten. Die IODP3-Managing Agency (IMA) verwaltet den IODP3-Haushalt.

Die wichtigste Basis der IODP3-Expeditionen sind die Bohrvorschläge, die von den IODP3-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt eingereicht werden. Eine gemeinsame, unabhängige Beratungsstruktur im IODP3-Science Office, das Science Evaluation Panel (SEP), begutachtet diese Bohrvorschläge und sorgt damit für einen Pool potentieller Expeditionen. Der Begutachtungsprozess wird durch ein weiteres Gremium unterstützt, welches die Umweltaspekte der vorgeschlagenen Expedition prüft (Safety & Environment Advisory Group, SEA).

Die zeitliche Planung der Expeditionen erfolgt durch das MSP Facility Board (M-FB). Hier wird entschieden, welcher Bohrvorschlag wann und mit welcher Plattform realisiert wird.

Struktur International Ocean Drilling Programme
Struktur des International Ocean Drilling Programme

Wissenschaftliche Ziele des IODP3

Die Ziele von IODP3 sind im „2050 Science Framework“ zusammengefasst, das eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt. Es konzentriert sich auf Prozesse, die die verschiedenen Komponenten des Erdsystems steuern, sowie auf die Wechselbeziehungen zwischen diesen Prozessen.

2050 Science Framework

Um die wissenschaftlichen Ziele zu erreichen, werden zwei bereits eingeführte Mechanismen eine höhere Stellung im IODP3 bekommen:

  1. Scientific Projects using Ocean Drilling Archives (SPARCs) stellt einen Mechanismus für die Gemeinschaft zur Entwicklung großer Projekte und zur Maximierung des wissenschaftlichen Gewinns und der Ergebnisse von Altbeständen (d. h. Bohrkerne, Proben und Daten) aus aktuellen und früheren ozeanischen Bohrprogrammen ohne neue Bohrungen oder anderen Arbeiten auf See. Vorschläge für künftige SPARCs können alle Aspekte des "2050 Science Framework" betreffen. Dies könnte zum Beispiel die Generierung neuer großer Datensätze aus bestehenden und neuen Proben und Bohrkernen, die Integration von Daten aus mehreren Expeditionen und/oder mehreren Bohrungen und/oder die Anwendung neuer Methoden oder Technologien (z. B. KI, „Big Data“-Ansätze) umfassen, die zum Zeitpunkt der Sammlung der alten Bohrkerne und Daten noch nicht verfügbar waren.
  2. Land-to-Sea (L2S)-Bohrprojekte sind essentiell, um die Ziele wissenschaftlicher Bohrinitiativen sowohl an Onshore- als auch an Offshore-Standorten oder in flachen Meeresgebieten vollständig zu erreichen. Die Verfahren und Richtlinien für die Einreichung von L2S-Vorschlägen wurden kürzlich optimiert und zwischen ICDP und IODP3 angeglichen, um wissenschaftliche Untersuchungen am Land-Ozean-Übergang verstärkt zu fördern.

Bohrplattformen im IODP3

Bohrplattformen im IODP3 werden vom ECORD Science Operator (ESO) und dem japanischen Institut für Meeres- und Erderkundung und Ingenieurwesen (MarE3) betrieben. Die ESO führt – wie in den beiden vorangegangenen IODP-Programmen – Mission Specific Platform (MSP)-Expeditionen durch, indem sie geeignete Forschungsschiffe oder kommerzielle Schiffe/Plattformen für die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Expedition chartert. Dazu gehören geotechnische Schiffe mit seegangskompensierten, drahtgebundenen Bohrgeräten, Liftboats sowie Forschungs- und Mehrzweckschiffe, die alternative Bohrgeräte direkt am Meersboden (z. B. RockDrill oder Mebo) einsetzen. MarE3 ist weiterhin für den Betrieb des riser-Bohrschiffs DV Chikyu verantwortlich. MarE3 betreibt auch andere ozeanographische Forschungsplattformen, wie die RV Kaimei, die im Rahmen der IODP-Expedition 386 „Japan Trench Paleoseismology“ (gemeinsam von ESO und MarE3 durchgeführt) eingesetzt wurde.

Bohrkernlager im IODP3

Wie in der Vergangenheit stehen im neuen Programm weiterhin die Bohrkernlager am MARUM in Bremen und am JAMSTEC in Kochi zur Verfügung. Für Forschungsarbeiten an Legacy-Material ist auch der Zugang zu Kernen aus den vorangegangenen Bohrprogrammen zunächst für fünf Jahre gesichert, welche z. T. auch im Gulf Coast Repository an der Texas A&M University in College Station eingelagert sind.

Deutsche Beteiligung am IODP3

Das deutsche IODP3 wird von der DFG in zweierlei Hinsicht finanziert: (1) durch einen deutschen Beitrag zu ECORD als einer der beiden Core Member des IODP3 und (2) durch das Infrastruktur-Schwerpunktprogramm (SPP) 527, womit Forschung an deutschen Universitäten mit Bezug zu einem der ozeanischen Bohrprogramme ermöglicht wird. Forschungsprojekte im Rahmen des SPP 527 dienen der Durchführung von hochwirksamen Forschungsprojekten (basierend auf den neuen und früheren wissenschaftlichen Ozeanbohrprogrammen) sowie der Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei Gremienarbeit, Expeditionsteilnahmen und Workshops. Das IODP3-Koordinationsbüro koordiniert nationale Initiativen und Projekte, sorgt für den Informationsfluss innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und unterstützt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bei ihren Aktivitäten. Das SPP 527 IODP3 fördert ebenso die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen IODP3 und dem ICDP auf nationaler und internationaler Ebene.

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich in vielerlei Hinsicht im IODP3 einbringen. Zum einen durch Expeditionsteilnahmen, durch Forschung an Bohrmaterial, als Panel-Mitglied oder als Antragstellerin oder Antragsteller für zukünftige Bohrvorschläge. Calls zur Expeditionsteilnahme und Gremenienmitarbeit werden auf der IODP3- und/oder ECORD-Website bekanntgegeben sowie über den E-Mail-Verteiler des Koordinationsbüros verteilt. Die Bewerbung zur Expeditionsteilnahme und Panel-Mitarbeit läuft über das IODP3-Gateway. Über die Antragstellung im DFG-Schwerpunktprogramm informiert Sie das Koordinationsbüro und die DFG (s. Antragstellung im Schwerpunktprogramm).

Weitere Informationen zur Organisation und einer Auflistung der IODP3-Gremien und Gremienmitglieder finden Sie hier.

Expeditionen im IODP3 und in bereits abgeschlossenen Bohrprogrammen

IODP3-Expeditionen (Link)

#NameDatumBohrplattform/SPARCs
501New England Shelf HydrogeologyMai-Aug. 2025L/B Robert
502Impact of Petit-Spot Magmatism on Subduction Zone Seismicity
and the Global Geochemical Cycle
Okt.-Nov. 2025D/V Chikyu
503Hadal Trench Tsunamigenic Slip HistoryNov.-Dez. 2025D/V Chikyu
504North Sea Late Cenozoic Environments2026TBD
505SEnigma: Exploration into a Global Early Miocene Anomaly2026SPARCs
506SSignals: Stratigraphic Integration of North Atlantic Legacy Sites 2026SPARCs
507GLACE-NS: Late Cenozoid Glaciers, Lanscapes, Climates, and Ecosystems of the North Sea 2026TBD

Abgeschlossene ozeanische Bohrprogramme

International Ocean Discovery Program (IODP-2, 2013-2024) und Integrated Ocean Drilling Program (IODP-1, 2003-2013)

Liste Expeditionen im IODP-2

Liste Expeditionen im IODP-1

Ocean Drilling Program (ODP, 1985-2003)

Liste Expeditionen ODP

Deep Sea Drilling Project (DSDP, 1968-1983)

Liste Expeditionen im DSDP