Studie: Kaum Methan-Emissionen an Altbohrungen nachweisbar

Dokumenttyp: Meldung, Datum: 05.11.2026, Thema: Allgemeines , Thema: Rohstoffe

Altbohrungen aus der Erdöl- und Erdgasförderung gelten weltweit als potenzielle Quelle für Austritte von Methan, dem nach Kohlendioxid wichtigsten vom Menschen verursachten Treibhausgas. In Deutschland gibt es rund 25.000 dieser Bohrungen. Ob und wieviel Methan aus ihnen entweicht, war bisher nicht genau bekannt. Aktuelle Untersuchungen der BGR liefern jetzt differenzierte Befunde.

Mit diesem Gerät (einer „Smart Chamber“), das an einen Spurengasanalysator gekoppelt ist, untersuchte das BGR-Team mögliche Methanemissionen an Altbohrungen.
Mit diesem Gerät (einer „Smart Chamber“), das an einen Spurengasanalysator gekoppelt ist, untersuchte das BGR-Team mögliche Methanemissionen an Altbohrungen.

Altbohrungen aus der Erdöl- und Erdgasförderung gelten weltweit als potenzielle Quelle für Austritte von Methan, dem nach Kohlendioxid wichtigsten vom Menschen verursachten Treibhausgas. In Deutschland gibt es rund 25.000 dieser Bohrungen. Ob und wieviel Methan aus ihnen entweicht, war bisher nicht genau bekannt. Aktuelle Untersuchungen der BGR liefern jetzt differenzierte Befunde.

Die in einer neuen BGR-Kurzstudie dargestellten Ergebnisse zeigen, dass die Methan-Emissionen an den untersuchten Altbohrungen insgesamt vergleichsweise gering sind. Lediglich an drei der insgesamt 92 an Land untersuchten Bohrungen deuten die Daten auf geringe Mengen von zeitweise austretendem Erdgas hin. Die übrigen festgestellten Emissionen gehen auf natürliche Quellen oder z. B. auf die Torfgewinnung zurück. Der Höchstwert von 40 mg Methan pro Stunde liegt weit unter durchschnittlichen Werten aus den USA und Kanada (sowie auch unter den Emissionen einer Kuh während der Verdauung). Die rückgebauten und verfüllten Bohrungen waren von der BGR mit Hilfe von Messkammern und Bodengasanalysen untersucht worden.

An den 18 (von insgesamt etwa 100) Altbohrungen, die in der deutschen Nordsee untersucht wurden, stellten die BGR-Fachleute überhaupt keine Methanaustritte fest. Frühere Schätzungen, wonach bis zu einem Drittel der Nordsee-Bohrungen undicht seien, erscheinen vor diesem Hintergrund als völlig überhöht. Das bestätigen auch neuere niederländische Daten.

Damit zeigen die Untersuchungen, dass wahrscheinlich keine systematischen Dichtheitsprobleme bei Altbohrungen in Deutschland bestehen.

Die seit 2024 geltende EU-Methanverordnung verlangt ein Inventar aller Erdöl- und Erdgas-Altbohrungen sowie Messungen an jeweils ausgewählten Standorten. Die genauen Messmethoden und Schwellenwerte sind allerdings noch nicht festgelegt worden. Die von der BGR publizierten wissenschaftlichen Ergebnisse können eine wichtige Hilfe für künftige Verordnungen der Regulierungsbehörden sein und sind für eine Einschätzung der Situation in Deutschland von großer Bedeutung.

Als Treibhausgas ist Methan kurz- und mittelfristig klimaschädlicher als Kohlendioxid. So wirkt es in einem Zeitraum von 100 Jahren rund 28-mal stärker als CO₂. Stillgelegte Erdöl- und Erdgasbohrungen können Methan z. B. über gealterte Zementabdichtungen freisetzen. Weltweit werden diese Emissionen angesichts von mehreren Millionen von Bohrungen auf 0,4 bis 3 Millionen Tonnen Methan pro Jahr geschätzt.

Die Karte zeigt die Standorte der untersuchten Altbohrungen von ehemaligen Erdöl- und Erdgasförderstellen. Diese befinden sich überwiegend in Niedersachsen sowie in der Nordsee.
Die Karte zeigt die Standorte der untersuchten Altbohrungen von ehemaligen Erdöl- und Erdgasförderstellen. Diese befinden sich überwiegend in Niedersachsen sowie in der Nordsee.